Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 231)
- Language
- German, English, Hebrew
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Das ist nicht richtig. Liquidierung ist ein System, ein Weg, ein Kurs. Liquidieren kann man die Bewegung nur mit Absicht und einer starken Kraft. Aber da ist kein System, kein Kurs und kein Weg. Man kann die Situation nur auf eine Art kennzeichnen: Ratlosigkeit, Weglosigkeit, Mangel an jedem inneren Halt. Daher kommt die Schwäche der Leitung, die auf allen wichtigen Gebieten ihrer Arbeit ihren Ausdruck gefunden hat. In einem solchen Zustande ist für eine feste, klare und starke Politik, für eine reale Politik, die auf der Höhe steht, kein Platz. Real sind die Hindernisse, auf die wir gestossen sind, und die jedesmalige Reaktion unsererseits. Aber das kann man kein System nennen. Als die Folge des inneren Zustandes der Leitung trat an die Stelle der Realpolitik eine Illusionspolitik, und das zeigte sich auf drei Gebieten unserer Arbeit: erstens in der Aussenpolitik gegenüber den aussenstehenden Faktoren, also gegenüber der Mandatarregierung und ihren Vertretern in Palästina wie in unserem Verhältnis zum arabischen Volk; zweitens in der inneren Politik gegenüber den Teilen des Volkes, die ausserhalb der zionistischen Bewegung stehen und bei denen wir Hilfe suchen, was vor einem Jahre zum Rufe nach dem Weltkongress und jetzt zur Frage der Agency geführt hat; drittens in unserer Methode beim Aufbau Palästinas. Ich stimme meinen Freunden auf dem sozialistischen Flügel nicht zu, wenn sie den Wert der Politik in der jetzigen Aktion unserer Bewegung herabzusetzen suchen. Die zionistische Bewegung ist keine rein sozial-ökonomische. Die politischen Forderungen können nicht aus der zentralen Aktion unserer Bewegung überhaupt und aus der Verantwortung der Leitung für den schwierigen Stand der Bewegung herausgelöst werden. Von der zionistischen Politik ausgehend, kann ich auch die Verantwortung für die schwierige politische Situation nicht ganz der Leitung zuschieben. Wir wissen die objektiven, ungünstigen Bedingungen gebührend zu würdigen. Es sei also hinzugefügt: wir sind bereit, die Verantwortung der Leitung als Institution so weit zu begrenzen, als sie sich auf die führenden Kreise der Bewegung, besonders auf das Actions- Comite stützt. Aber mit dieser Begrenzung bleibt die Verantwortung der Leitung für die Politik voll 'aufrecht. Es handelt sich nicht um die Frage aktivistischer, unverantwortlicher Politik, nicht um eine gefährliche revolutionäre Politik. Es handelt sich um die Frage eines realistischen Maximalismus, der selbst in dem engen Rahmen der ungünstigen, objektiven Bedingungen hätte entwickelt werden können. Anstatt der realen Basis der Aussenpolitik hat man eine sonderbare idealistische geschaffen. Wir haben vor zwei Jahren gegen die Erklärung Weizmanns protestiert, dass unsere Politik in England nicht auf Grund von Interessen, sondern auf Grund des „good will" geschaffen wurde. Im Laufe dieser Zeit ist um unsere Interessen der Kampf entbrannt, und unsere Freunde in England gehen bei ihrem Kampfe für die zionistische Position nicht von moralischen, philanthropischen Argumenten aus, sondern von realen Begründungen, die mit hervorragenden Interessen des Reiches verknüpft sind. Wir haben bei der pessimistischen 208