Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1924-01-01 · 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923 · p. Seite 200

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
Date
1924-01-01
Page
Seite 200 (sequence 223)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476280--5331-3481476
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

bürg, der bis heute ausserhalb unseres Lagers steht und es bis heute abgelehnt hat, zum Keren Hajessod beizusteuern, gezwungen, 10.000 Dollar für die Universität zu geben? Wenn er in seinem Antizionismus konsequent gewesen wäre, hätte er zum Führer der Gegner dieser Gründung weiden müssen, da die Universität doch keinen direkten ökonomischen Wert darstellt. Die Erklärung liegt darin, dass die geistigen Möglichkeiten der Erlösung vor allen anderen das Herz des Judenzum Mitschwingen bringen, solange nicht in ihm der letzte Funke der Liebe zu seinem Volk erloschen ist. Mein Freund Abraham Goldberg, einer der amerikanischen Delegierten, hat mit Recht in einem Gespräch mit mir darauf aufmerksam gemacht, dass es in der Natur der Sache liegt, wenn die amerikanischen Juden sich für den Aufbau Palästinas vom Standpunkt seiner geistigen Möglichkeiten und nicht, vom Standpunkt seiner politischen Möglichkeiten interessierten. Denn was die Politik betrifft, empfinden sie im Gegensatz zum europäischen Juden keine Entbehrungen, denn sie gemessen ja in Amerika alle politischen Rechte. Selbst bei uns haben die Verstandesmenschen, die Rabbi Jochanan ben Sakkai kritisieren, weil er zur Zeit, als unser Volk zwischen Tod und Leben in Zuckungen lag, nur J a b n e und ein Lehrhaus forderte, das Bestreben, eine Universität zu gründen, nicht als etwas Abnormales betrachtet. Wenn ich nicht irre, waren sie unter den ersten, die für ihre Existenzberechtigung eintraten. Das Traurige liegt darin, dass in unsere Wrerte manchmal ein Chaos eindringt. So geschah es auch mit jenem seelischen Aufschwung, der damals herrschte, als man den Grundstein für die Universität legte. Wenn wir mit schweren ökonomischen Bedingungen zu kämpfen haben, dann vergessen wir leicht die geistigen Interessen. Erheben wir uns aber doch über alle Hindernisse und wollen wir uns nicht unter der Last der Verantwortung beugen! Trotz aller materiellen Bedürfnisse dürfen wir die kulturelle Arbeit nicht verlassen, denn sie ist unser Leben und unsere Dauer. Seien wir nicht wie jene Karawane, deren Vermögen ein Brand ergriff und die alles Wasser, das sie hatte, ausgoss, um ihn zu löschen, ohne sich ein Tröpfchen zu lassen, um in der grossen Wüste, die noch zu durchqueren war, ■den eigenen Durst zu löschen. Die materiellen Bedürfnisse des Palästinaaufbaues sind zweifellos gross. Die Organisation muss Lebensunterhalt und Arbeit Hunderten von Chaluzim verschaffen, die ins Land gekommen sind, um der Zukunft ihrer Nation alle ihre Kräfte zu opfern. Aber trotzdem müssen wir wenigstens einen kleinen Teil des Lebenswassers für die jüdische Kultur und die jüdische Lehre lassen, damit wir nicht dem geistigen Durst in der grossen Wüste erliegen, die wir noch zu durchqueren haben, bevor wir unser nationales Ziel erreicht haben. Wie in der ersten Wüste, die wir einst durchwandert hatten, lehren uns auch in der Wüste, in deren Mitte wir jetzt stehen, die Mühsale, die wir zu erdulden haben, dass der Mensch nicht vom Brote allein lebt. Geehrter Kongress! Als Zusammenfassung meiner Worte lege ich Ihnen zwei Anträge bezüglich der Kulturarbeit vor. Der erste spricht 200

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.