Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1924-01-01 · 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923 · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
Date
1924-01-01
Page
Seite 199 (sequence 222)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476280--5330-3481475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

konkurrieren müssen, können wir unsere Kinder nur dann der Assimilation entreissen, wenn unsere Rulturinstitutionen auf der höchsten Stufe stehen werden. Diese Wahrheit können wir, die wir aus Amerika kommen, aus der Erfahrung bezeugen. Die erste Gener at.io n, die aus den europäischen Ländern kam, hat sich nur ihren materiellen Interessen gewidmet und hatte keine Zeit, den neuen Bedingungen und den neuen Forderungen Aufmerksamkeit zu schenken. So begnügte sie sich auch mit dem alten Cheder und dem alten Melamed. Die Folge davon war, dass 50 Prozent der jungen Generation verloren gegangen sind. Reden wir uns nicht ein, dass wir in Palästina eine solche Gefahr nicht zu befürchten brauchen. Unsere Arbeiter werden der Schwierigkeiten nicht Herr werden, wenn wir nicht zugleich mit den übrigen Bemühungen für den Aufbau Palästinas uns anstrengen, die ßrziehungsinstitutionen auf starke Persönlichkeiten aufzubauen, damit ein freies Gesohlecht aufwächst, das seine Vergangenheit schätzt, ein Geschlecht, das gegen den Strom des Lebens zu gehen versteht Ich will noch einmal betonen, dass es Pflicht der Organisation ist, für die jüdische Erziehung nicht nur aus idealen Gründen, sondern gerade wegen der materiellen und finanziellen Interessen zu sorgen. Es ist doch klar, dass Palästina nicht allein durch die Gelder des Keren Hajessod wird aufgebaut werden können, selbst wenn wir mehr als das Zehnfache der heutigen Einnahmen hereinbringen könnten. Denn schliesslich wird das Land ohne Pioniere, die über ein Vermögen verfügen, arm bleiben. Ohne eine ansehnliche Zahl von Menschen, die sich dem Ackerbau, dem Handel oder dem Gewerbe widmen und dabei ihr Vermögen und ihre berufliche Ausbildung nach Palästina mitbringen, muss die wirtschaftliche Situation schlecht bleiben. Aber solange die Erzienungsinstitutionen auf einer niedrigen Stufe stehen werden, wird dies für eine solche Einwanderung ein ungeheueres Hindernis bedeuten. Wenn wir die Mittelschulen nicht verbessern, werden ohne Zweifel viele Familien das Land verlassen müssen, um -ihren Kindern eine ausreichende Erziehung im Auslände angedeihen zu lassen. Wenn Sie Klarheit gewinnen wollen, wie sehr das kulturelle Interesse mit unserer Bewegung verknüpft ist und wie es unmöglich ist, auf das Kulturelle zu verzichten, ohne allen Zweigen der Arbeit schweren Schaden zuzufügen, so beachten Sie die Tatsache, dass wir, als wir nur den ersten Schritt ins Land setzten, beschlossen haben, eine Universität zu begründen. Wir bestellten einen Architekten, der Pläne entwarf, kauften einen Platz und legten den Grundstein. Auf den ersten Blick scheint es sonderbar, zu Beginn der Niederlassung im Lande eine Universität zu errichten. Wann denken die anderen Völker an die Begründung des höchsten Kulturinstitutes? Sicherlich erst dann, wenn sie die höchste Stufe wirtschaftlicher Entwicklung erklommen haben. Und dennoch — wurden wir denn von praktischen Leuten getadelt, dass wir die gewöhnliche Ordnung umgekehrt haben? Hat nicht ein Mann wie W i 1 s o n darin den geistigen Wrert der zionistischen Bewegung nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Welt gesehen? Was hat einen Mann wie Felix War- 199

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.