Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 220)
- Language
- German, English, Hebrew
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und wir werden nicht von der Kälte erfasst werden. Sogar jene Amerikaner, von denen Sie ja sicherlich glauben, dass sie ganz dem Materialismus verfallen sind, und die Ihrer Ansicht nach jedes Gefühls für geistige Werte ermangeln — wodurch konnten sie dazu gebracht werden, ihre Söhne zu Tausenden und Zehntausenden auf die Schlachtfelder zu schicken, wenn nicht durch die Macht eines Ideals, das gläubig und klug zugleich vor ihnen aufgestellt wurde: des Ideals der Weltdemokratie. Wir können daran zweifeln, ob die Majorität der politischen Führer dieses Ideal ernst genommen hat, aber wir müssen zugeben, dass die Massen des Volkes bereit waren, ihr Blut auf dem Altar der Gerechtigkeit und Weltbeglückung zu vergiessen. Die Juden, die sich in Amerika eingelebt haben, sind nicht schlechter als ihre Nachbarn. Noch ist ihre Seele nicht so verdorben, dass sie geistigen und idealen Werten völlig gleichgültig gegenüberstehen sollten. Es ist wahr, dass ihr Amerikanertum sich darin zeigt, dass sie das Verhältnis zwischen Mitteln und dem von ihnen erhofften Ziel greifbar vor sich sehen wollen. Wenn wir sie zu unserer Arbeit heranziehen wollen, müssen wir ihnen den Zusammenhang zwischen dem Aufbau Palästinas und der Wiedergeburt der Nation aufzeigen. Sie haben nicht die Geduld, zu warten, bis dieser Zusammenhang an sie herankommt. Das Versprechen, dass im Verlaufe von zwei, drei Generationen die hebräische Kultur sich von selbst entwickeln wird, beruhigt sie nicht. Sie fühlen sich enttäuscht, wenn sie ihre geistige Welt nicht in ihrem Leben verwirklicht sehen; und solange der Zusammenhang zwischen dem Aufbau Palästinas und der Wiedergeburt des Geistes nicht greifbar hervortreten wird, wird die Agitation für den Aufbau Palästinas bei uns nur langsame Fortschritte machen. Man kann nicht hoffen, dass der Zusammenhang zwischen dem Aufbau Palästinas und der Wiedergeburt des Volkes sichtbar werden wird, solange die Lage der Erziehungsarbeit in Palästina unsicher ist und den Bedürfnissen der jungen Generation nicht entspricht. Durch die Beschränkung oder Verkleinerung des Erziehungsbudgets rauben wir der jüdischen Erziehung sowohl in Palästina als auch im Galuth die Möglichkeit, sich in dem erwünschten Masse zu entwickeln. Die Anhänger der V e r m i n d e r u n g d >e s £ r z i e h u n g s b ,u d s.e t s wenden ein, dass wir nicht nur die C-halu'kah im alten Sinne ausrotten müS'Sten, sondern jede Art der Hilfeleistung, die das Streben zur (Selbständigkeit beeinträchtigt. Sie behaupten, dass die Unterstützung von Erziehungsinstitutionen in Palästina seitens der .Zionistischen Organisation die Einwohner daran gewöhne, von äusserer Hilfe abhängig zu sein, so dass sie nie lernen werden, sich auf sich selbst zu verlassen. Ein solcher Einwand beruht auf einer irrigen Anschauung bezüglich der Entwicklung von Erziehungsinstitutionen. Es ist ja einleuchtend, dass eine Gruppe von Menschen, die wirtschaftlich schwer kämpfen muss, nicht Erziehungsinstitute gründen kann, um den Schülern die geistigen Güter in dem Ausmasse und in der Qualität zu übermitteln, die ein moderner Mensch braucht. Auch der Landarbeiter verlangt heute 197