Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 218)
- Language
- German, English, Hebrew
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daran erinnern, dass die Agudah, die solche Beschuldigungen gegen uns vorbrachte, in einem Briefe an den Misrachi alles zurücknehmen musste. Ausgehend nun sowohl von der politischen Haltung der Leitung als auch von ihrer Stellung zum Misrachi muss dieser bedauern, dass eines seiner Mitglieder in dieser Exekutive sass, und muss erklären, dass er kein Vertrauen zu dieser Leitung hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei den Misrachi.) Delegierter Professor Mordechai Kaplan (Amerika, spricht hebräisch): Geehrter Kongress! In dem Bericht, den wir vorgestern von Ussischkin gehört haben, wurde betont, dass die Erreichung unseres Zieles nur durch drei Mittel möglich ist: Erwerbung von Boden, Vermehrung der Einwohnerzahl und Entwicklung der Institutionen, die unseren geistigen Besitztümern dienen. Kurz gesagt, das Schicksal unseres Volkes ist bestimmt von Boden, Menschen und Kultur. Er fügte aber hinzu, dass, obwohl keinerlei Meinungsverschiedenheiten bezüglich der beiden ersten bestehen, weil man überzeugt ist, dass die Organisation den Kreis ihrer Tätigkeit in dieser Beziehung möglichst erweitern müsse, in der Zionistischen Organisation die Tendenz herrsche, die kulturelle Arbeit möglichst einzuschränken. Diese Tendenz zeigt sich besonders in dem Vorschlag, das Erziehungsbudget für das folgende Jahr zu kürze n. Ausserdem berührte Ussischkin auch die Notwendigkeit der Gründung der Universität, wobei ich jedoch nicht genau weiss, ob er die Hindernisse, die sich der Verwirklichung dieses Gedankens in den Weg stellen, erwähnte. Aber das ist bekannt, dass wir aus verschiedenen Gründen der wirklichen Begründung der Universität vielleicht ferner stehen als damals, da vor vier oder fünf Jahren angesichts einer festlichen Menge und unter freudigem Jubel, der in den Herzen des Volkes in allen Ländern der Zerstreuung lauten Widerhall weckte, der Grundstein unter den Bau gelegt wurde. Darum erlaube ich mir die Meinung auszudrücken, dass diese Tendenz zu einem Rückzüge in der kulturellen Arbeit eine grosse Gefahr für den Aufbau Palästinas bedeutet. Im Namen eben jenes Realismus, den wir auf diesem Kongress hervortreten sehen wollen, wende ich mich an Sie mit der Bitte: erstens nicht um einen Pfennig das Budget der Volksschul- und Mittelschulerziehung zu kürzen, zweitens der Universität einen Platz im Budget des nächsten Jahres anzuweisen, um die Fundierung und den Beginn der Arbeit in der allernächsten Zeit zu ermöglichen. Ich bin für die Fortsetzung der Erziehungsarbeit und die Begründung der Universität nicht deshalb, weil ich etwa zu jenen Anhängern des Geistes gehöre, die glauben, dass eine Schule zehn Kolonien aufwiegt. Ich gebe zu, dass ich zu den Verehrern der Kultur um ihrer selbst willen gehöre. Doch erkenne ich an, dass wir bei unserer zionistischen Arbeit vor allem anstreben, ein normales Volk zu werden, das ruhig und sicher auf seinem Boden lebt, und dass wir nicht zu einer Gesellschaft werden wollen, die Schulen unterstützt. Aber trotzdem können wir uns nicht von der Kulturarbeit lossagen, denn sie hat eine aufbauende und 13' 195