Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 216)
- Language
- German, English, Hebrew
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dem Wortlaute des Mandates, nämlich Transjordanien, weggerissen, und da frage ich Sie mit den Worten unseres Präsidenten: Was hast du, jüdisches Volk, dazu getan? Man entgegnet uns: Ihr habt doch keine Armee und keine Flotte, um etwas dagegen zu unternehmen. Aber nicht nur mit Armeen und Flotten kann man gerechte Forderungen durchsetzen. Alle Völker, die in der letzten Zeit ihre Freiheit erlangt haben, haben es nicht durch die Macht der Waffen erreicht, sondern durch den Appell an die Gerechtigkeit Wo waren unsere Proteste gegen das Unrecht, das man uns zugefügt hat? Wir hätten ein Protestgeschrei erheben müssen, das die ganze Welt durchdrungen hätte und bis zu den Arabern und der Mandatarmacht gedrungen wäre. Wenn es heisst, dass unsere Leitung einen solchen Protest nicht haben wollte, so antworte ich darauf: Jedes Volk hat die Führer, die es verdient. Es gab Momente in der Geschichte, da ein Volk seine Führer zwang, den Weg zu gehen, den das Volk wollte. Wie haben wir auf das Weissbuch reagiert? Einer meiner Vorredner hat betont, dass unsere Führer das Weissbuch nicht akzeptieren mussten. Ich nehme an, dass sie alle Mittel angewendet haben, um das Mandat ohne das Weissbuch zu erlangen. Es ist ihnen nicht gelungen und sie haben das Weissbuch angenommen. Aber wie reagiert ein Volk auf eine solche Sache in der ganzen Welt? Die Führer haben es akzeptiert, weil sie nicht anders konnten. Aber das Volk muss Protest erheben und von den Führern fordern, dass sie nach einem solchen Schritt demissionieren. Ihr übernehmt die Verantwortung für die zukünftigen Geschlechter, die nicht wissen werden, mit welchem Rechte Ihr eingewilligt habt, dass Palästina nicht jüdisch bleibt wie England erlisch. Man muss der Mandatarmacht zu verstehen geben, dass das jüdische Volk nicht einverstanden ist und das nicht akzeptiert. Es haben sich Menschen gefunden, welche die Politik unserer Führer kritisiert haben. Wir nahen bei der Eröffnung des Kongresses einen schönen Nachruf für N o r d a u gehört, der der erste Vorkämpfer des zionistischen Ideals war, der mit Herzl die nationale jüdische Renaissance geschaffen hat. Aber er starb einsam und entfernt von der grossen Arbeit, weil er mit dem Wege unserer Führer nicht übereinstimmte. •Das w.ar aber nicht nur mit Nordau so. Einer nach dem anderen ist von der Arbeit abgerückt. Auf der einen Seite treibt man die besten Kräfte aus der Organisation hinaus, auf der anderen Seite spricht man von der Zuziehung neuer Kräfte. So ist es mit einem unserer besten Kämpfer, mit Jabotinsky, geschehen, der an der Spitze jener gestanden ist, die Erez (Israel im den Zeiten des Pogroms verteidigt haben. Er musste aus der Organisation hinausgehen. Ich habe die Vermutung, d"ass auch noch andere die Organisation verlassen wollen. Das sind Erscheinungen, über die man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Ich verstehe sehr gut die Psychologie eines grossen Führers, der niemanden zur Arbeit zulassen will und alles allein tun möchte. Aber darin liegt eine grosse Gefahr, von der man noch gar nicht voraussehen kann, welche Misserfolge sie bringen wird. Darin liegt der Grund, warum man die Leute, die man zur Verteidigung unserer politischen Interessen brauchte, nicht finden konnte. 13 193