Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 214)
- Language
- German, English, Hebrew
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die zu den schärfsten Gegnern des politischen Zionismus gehören — deren Bereitwilligkeit, mitzuarbeiten, abnimmt, je kleiner unsere politischen Erfolge sind, je weiter wir uns von der Situation entfernen, die durch die Balfour-Deklaration gegeben war. Wir imponierenden Herren nicht mehr wie vor drei Jahren. Das steht für mich fest: Der Aufbau Palästinas obliegt der ganzen Judemheit, und es ist keine Schande, wenn wir erklären: wir sind dazu zu schwach. Wir sind eine Minorität im Judentum. Die Minorität eines Volkes muss nicht genügend Kraft haben, um eine Sache für ein ganzes Volk aufzubauen. Wenn wir alle die Jahre hindurch angestrengte Pionierarbeit geleistet haben, so -haben wir genug getan. Man spricht bei der Regelung der Jewish Agency von einem Verhältnis 50 :50. Dass wir gerade bei dieser Gelegenheit, wo wir die bisher Fernstehenden zur Palästinaarbeit zuziehen wollen, dazu benützen sollen, um eine richtige Zweiteilung im Judentum festzulegen: wir und sie — das offiziell zu besiegeln, dagegen wehrt sich mein Gefühl. In eine Jewish Agency, die wirklich zweckmässige Befugnisse hat, gehören Vertreter der ganzen Judenheit. Aber der Weltkongress, den wir vertreten, würde, wenn wir ihn .heute einberufen, ein Torso sein, denn er wird nicht richtig beschickt sein. Ob wir auf den Kongress warten können, bevor wir die Jewish Agency ernennen, möchte ich doch bezweifeln. Aber wenigstens müssten wir warten, bis die Situation eintritt, dass man hieher kommen und sagen kann: Diese und jene -jüdischen Organisationen und Körperschaften sind bereit, mit uns mitzuarbeiten auf der Basis, dass wir nichts von unseren Prinzipien aufzugeben haben und auch den anderen nicht unsere Ideologie aufdrängen. Die Gewähr für die Tendenz in der Jewish Agency liegt in ihren Zielen und in ihren Befugnissen. Falls der Kongress sich nicht dazu entschliesst, die Frage von der Tagesordnung abzusetzen, würde ich an Stelle des Prinzips 50 : 50 beantragen, dass wir uns bei dieser doch nur provisorischen Ordnung ein Vetorecht — das Wort ist vielleicht zu hart — bei der Besetzung der Posten durch die anderen wahren sollen. Und wenn auch nicht jeder Körperschaft allein, aber allen zusammen können wir dann dasselbe Vetorecht für die Besetzung der Posten unsererseits zugestehen. Hierin läge für mich eine Gewähr, dass nicht Leute in die Jewish Agency hereinkommen, von denen man befürchten könnte, dass sie gegen die zionistischen Interessen arbeiten. Dieser Zustand bliebe solange bestehen, bis alle beteiligten Parteien den Moment für gekommen erachten, um ihn aufzuheben. Vizepräsident Lipsky: Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihre Redezeit um ist. Mitglied des A. C. J. Fischer (fortsetzend): Hoher Kongress! Ich bin zu Ende. Die Jewish Agency enthält den Gedanken der jüdischen Einigkeit. Die Staatsmänner Europas weisen jetzt fortwährend auf die iKriegsgefallenen ihrer Länder hin, auf die Opfer, die ihre Völker gebracht haben. Wir könnten hier hinweisen auf die Märtyrer der Uneinigkeit unter uns. Im Namen dieser Märtyrer ermahne ich Sie: Wenn Sie Einigkeit im Judentume haben wollen, dann ist es höchste Zeit, dass wir mit gutem Beispiele vorangehen. (Beifall.) 191