Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 205)
- Language
- German, English, Hebrew
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dann die Fundamente legen. Ich verkenne die Schönheit solcher Paradoxe nicht, aber wenn man diese Worte in Palästina in der Praxis ausgeführt, mitgemacht und mitgelitten hat, dann sieht man, dass diese Paradoxe in Wirklichkeit mehr traurig und bitter als fröhlich und schön sind. Jede private Person kann das Risiko eines solchen Lebens auf sich nehmen. Aber wenn die Organisation für ihre Rechnung junge Leute hinausschickt, um das Land aufzubauen, so geschieht das unter ihrer Verantwortlichkeit und das Paradoxon wird zum Verbrechen. Ich habe die Verantwortlichkeit für eine solche Wirtschaft nicht weiter tragen wollen und habe im April meine Demission eingereicht: erstens wegen der damaligen Finanzpolitik, nämlich wegen der Nichteinführüng von Ersparnissen als dem einzigen Auswege aus der Gefahr des Zusammenbruches, zweitens wegen der absoluten und relativen Budgetüberschreitungen und drittens, weil die Rechtsposition des Treasurers keine genügende Gewähr gegen solche Ueberschreitungen bot. Ich sprach von absoluten und relativen Budgetüberschreitungen. Darunter ist zu verstehen: Ich spreche von relativen Budgetüberschreitungen, wenn innerhalb der Totalsumme eines bestimmten Budgets versucht wird, einen Posten unterzubringen, der nicht dazu gehört, sagen wir z. B. hypothetisch, einen Schochet in Merchavia oder Mazzos unter dem Budgetposten „Immigration" oder eine Anleihe für frühere Pogromopfer unter dem Posten „Landwirtschaft". Hier muss der Treasurer ein Veto einlegen können, denn hier ist eine wirkliche Gefahr vorhanden. Das, was manchmal hier die Staatsidee genannt wird, das heisst, dass die Zionistische Exekutive als der „Täte" des' Jischuw angesehen wird, um für allerlei mehr oder weniger wichtige private oder öffentliche Zwecke Geld zu pumpen, das ist etwas, was immer nur auf unsere Gelder absieht. Zeitweilig ist diese Idee wegen des grossen Geldmangels eingeschlafen, aber sie lebt und in den letzten Monaten, wo eine kleine Erleichterung des Druckes eingetreten ist, hebt sie schon wieder das luxuriöse Haupt. Man vergisst schnell die Krankheiten der Vergangenheit und wird bald wieder dick, nachdem man Karlsbad verlassen hat. Man wird dieses Jahr einen kleinen Posten für unvorhergesehene Ausgaben vorschlagen, ohne welchen wir schon zwei Jahre vortrefflich gelebt haben. Das ist immerhin formell besser, aber machen wir diesen Posten so klein als möglich, denn es ist alles hinausgeworfenes Geld, was sich unter dem Namen nationale Organisation, Ausnahmsfälle usw. anbietet- Unter absoluter Budgetüberschreitung verstehe ich die Ueberschreitung des Totales des vom Kongress oder der Jahreskonferenz genehmigten oder später vom Actions-Comite reduzierten Budgets. So wurden in diesem Jähre die Budgets für Immigration. und für die Versuchsstation so weit überschritten, dass wir diese Ueberschreitung mit 200ü, beziehungsweise 9000 Pfund bis Ende des Jahres berechnen müssen. Das Defizit musste gemacht werden, denn es kamen jeden Monat Schiffe voll Immigranten an, ungeachtet der schrecklichen Lage im Lande. Dagegen hilft kein Veto des Treasurers. Nur könnte ein solches Veto infolge Budgetüberschreitung bewirken, dass entweder die Zahl der 182