Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 190)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Leitung im Laufe der zwei Jahre seit dem letzten Kongress vollbracht hat, zu kritisieren. Es ist diesmal schwer, unsere Leitung zu kritisieren, weil erstens unsere politische und ökonomische Situation, wenn man sie objektiv prüft, sehr schwierig ist und die Führer für diese Situation nicht im ganzen verantwortlich gemacht werden können. Es ist deshalb unsere Pflicht, in unserer Kritik vorsichtig zu sein und den Führern keine Last aufzuerlegen und sie nicht für Dinge verantwortlich zu machen, für die sie nichts können. Zweitens: wir wissen, wie schwer die Arbeit unserer Führer war, die alle ihre Kräfte und Fähigkeiten der Volksarbeit gewidmet haben. Aus dem Munde Schmarja L e v i n s haben wir heute gehört, wie gross und schwer die Arbeit war, die die Organisation in Amerika im Laufe der letzten Monate geleistet hat. Und wenn wir die Fehler und Mängel in der Arbeit der Leitung kritisieren, so kann dadurch der Eindruck entstehen, dass wir die andere Seite der Angelegenheit nicht sehen und die Opfer der Leitung nicht zu würdigen wissen. Und trotzdem können wir uns von der Kritik nicht befreien. Dies ist unsere Pflicht und wir werden sie, obwohl sie keineswegs angenehm ist, erfüllen. Wir müssen die Situation prüfen, nicht um Mängel und Fehler zu suchen, sondern wegen der Folgerungen für die Zukunft. Wenn wir in wenigen Worten den Charakter unserer politischen Arbeit zusammenfassen und kurz präzisieren wollen, so müssen wir sagen, dass dieser Arbeit der Wirklichkeitssinn gefehlt hat. Sie zeigt viel Phantasieschwung von der Art, Luftschlösser zu bauen, viel von der Neigung zu gewagtem Spiel, das das Glück versucht und behauptet, die Schlacht durch Ueberrumpelung zu gewinnen. Sie zeigt nichts von einer Grundlage realer Tatsächlichkeit. Unsere Politik steht au! einem unhaltbaren Boden, auf einem Boden genialen Aufblitzens und nicht auf der Einschätzung der realen Kräfte, die in unserem Leben wirken. Daher der Mangel an festem System in unserer politischen Arbeit, daher die Unfähigkeit zur bescheidenen Alltagsarbeit, jener hartnäckigen und aus* dauernden Arbeit in kleinen Dingen, die schliesslich und endlich mit den grossen in engem Zusammenhange stehen. Daher die Neigung zu übertriebenen Phantasien, die wohl imstande sind, eine augenblickliche Begeisterung zu erregen und Feuer in den Herzen anzufachen, nicht aber einen dauernden und festen Bau aufzuführen. Das ist der Grund dafür, dass wir von Anfang an das Mass unserer Fähigkeiten und des guten Willens der anderen, uns zu helfen, übertrieben haben. Wir versprachen, mehr zu geben, als wir konnten, und erwarteten von den anderen, was sie uns überhaupt weder geben konnten noch wollten. Daher sind wir enttäuscht und in eine verzweifelte Stimmung getrieben worden. Ich finde, dass auch die Eröffnungsrede unseres Präsidenten den Wirklichkeitssinn vermissen lässt. Dr. W e i z m a n n sprach von der schweren wirtschaftlichen Krise, die Palästina in der letzten Zeit beherrscht hat, und erklärte feierlich, dass dank der Hilfe und der grossen Energie unserer amerikanischen Gesinnungsgenossen diese Krise schon vorbei ist. „Die Krise ist glücklich überwunden." Sicher ist das, was im Laufe der letzten Monate für die Palästinaarbeit in Amerika getan 167