Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 187)
- Language
- German, English, Hebrew
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selbst zu sprechen." In meinem Amt diene ich jetzt sowohl den Sefardim als auch den Aschkenasim als Oberrabbiner, und ebenso ist Rabbi Kuk Oberrabbiner für die sefardische und aschkenasische Gemeinde. In den drei letzten vergangenen Tagen habe ich am Kongress nur Klagen des einen über den anderen gehört und nichts anderes. Und obwohl dies in der parlamentarischen Welt so Brauch ist, so ist das zwar Völkern gestattet, die ein geordnetes Leben, das heisst ein Land, eine Regierung und ein Reich haben, aber nicht uns, denen das alles fehlt. Darum dürfen wir nicht mit solchen Dingen unser Spiel treiben und den Parlamentarismus der europäischen Staaten nachahmen. Wenn man wirklich ernste und reale Vorschläge machte, wäre es möglich, auf den richtigen Weg hinzuweisen, der geeignet ist, unsere Wunden zu heilen, unsere Verstreuten zu sammeln, den Boden zu erwerben und eine umfassende Antwort auf alle Fragen unseres Lebens zu geben. Denn dann würden wir schon zu irgendeinem Entschluss gelangen; aber durch blosses Reden werden wir nie aus unserem jetzigen beklagenswerten Zustand herauskommen. Als ich aus Saloniki nach Palästina zurückkehrte, da kamen alle befreundeten Effendis zu mir, um mich zu besuchen, und schlugen mir vor, zwischen den Juden und den Arabern zu vermitteln. Aber obwohl ich deswegen mehreremale an die Türen der Leitung pochte, wollte man mich nicht hören. Als ich den Augenblick geeignet fand, mit einem der arabischen Führer über den Zionismus zu sprechen, bat ich ihn, mir zu erklären, v/elchen Schaden ihnen der Zionismus verursache. Und dieser antwortete als aufrichtiger Mann, dass nicht die Zionisten ihnen Stellen wegnehmen, sondern die Christen. Und wirklich waren in unserer kleinen Stadt zur Zeit der Türkenherrschaft von 200 Beamten 190 Mohammedaner, 8 Christen und 2 Juden, während jetzt 150 Christen, 46 Mohammedaner und 5 Juden angestellt sind. Wir waren, so sagte der arabische Führer, gezwungen, uns mit den Christen zu verbinden, weil ihr eine Verständigung nicht wolltet. Als ein Beispiel dafür, wie die eingeborenen Palästinenser dafür geeignet sind, uns in der politischen Arbeit zu helfen, will ich den Frieden erwähnen, der in Petach Tikwah zwischen Arabern und Juden geschlossen worden ist. Wenn der Kongress es für richtig finden wird, in die zionistische Leitung in Jerusalem gebürtige Palästinenser, sowohl aus den Reihen der Sefardim als auch der Aschkenasim zu ernennen, Leute, die die Verhältnisse des Landes kennen und mit den Arabern in guten Beziehungen stehen, dann besteht die Hoffnung, dass es gelingen wird, die bestehenden Gegensätze zu beseitigen. Heute meinen die Araber, dass wir sie vertreiben und vergewaltigen wollen, und die Araber im Temen rächen sich dadurch, dass sie unsere dortigen Brüder gewaltsam zum Islam bekehren. Viele Gemeinden unserer Brüder in P e r s i e n und in Y e m e n, die ruhig in ihren Wohngebieten lebten, bis unter den Orientalen der Hass gegen Juden ausbrach, werden jetzt erbarmungslos verfolgt. Darum ist es unsere Pflicht, all diese Verstreuten Israels zu sammeln und nach Palästina zu bringen. Sie 164