Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 175)
- Language
- German, English, Hebrew
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Anwesenden einen ungeheuren Eindruck gemacht. Es ist ein grosser Irrtum, wenn man uns sagt, die Not zwingt dazu, die anderen zu rufen. Es ist nicht die Not, sondern die Erfüllung unserer alten'Träume; es ist die Zeit gekommen, zum jüdischen Volk zu gehen und alle zu rufen: Kommet, beteiliget euch an der Verwirklichung! Das ist der Grund, warum wir diese Kreise, an die wir herangekommen sind und auf die wir Eindruck gemacht haben, jetzt heranziehen wollen. Es ist ein abnormer Gedanke, dass Präsident Weizmann imstande sei, unsere Organisation auszuliefern. Und noch etwas: Spielen Sie nicht mit dem Feuer, meine Herren! Man hat hier vom Artikel 4 des Mandates gesprochen; es kann der Moment kommen, wo wir gefragt werden, wo die anderen Juden sind. Dann müssen wir wenigstens sagen können, dass wir alles Mögliche versucht haben, diese heranzuziehen. Ich habe da den Präsidenten und seinen Kampf erwähnt, und Sie sollen wissen, dass, wenn er weggehen sollte, wir, seine Mitarbeiter alle Hand in Hand mit ihm gehen werden. (Rauschender Applaus.) Und Ihnen, Freunde vom Misrachi, will ich sagen: Machen Sie sich keine Illusionen. Ihre Enkel gehen zu den Reformjuden. Das ist Ihr geschichtlicher Prozess, Ihre Fortsetzung. Ihnen droht die Gefahr der Assimilation mehr als uns. Die Wirkung, die Weizmann auf das amerikanische Judentum ausübte, ist geradezu ein Wunder, Sie wissen, dass Weizmann ein Pinsker Jude ist und dass Amerika vor ähnlichen Juden im allgemeinen keinen grossen Respekt hat. Weizmann aber hat es verstanden, andere Gefühle, brüderliche Gefühle und Enthusiasmus hervorzurufen. Grünbaum hat gesagt, dass unsere ganze Bestrebung die sei, die sogenannten „Grünen4' abzustossen und die Einheimischen zu suchen. In der Sprache der polnischen Juden würde das heissen, die Litwaken abzustossen und die polnischen Juden zu suchen. Das ist aber nicht richtig. Wir suchen keine Notabein, sondern alle, die den Weg mit uns gehen wollen. Wir sind überhaupt ein Volk, das sehr zum Verdacht neigt. Selbst gegen einen Hohepriester würden wir Verdacht hegen, wenn er ins Allerheiligste geht. Und jetzt hegen wir wieder Verdacht und haben Furcht vor Juden. Ich habe vor Juden keine Angst und noch weniger dann, wenn der Präsident der Zionistischen Organisation darüber wachen wird, dass unser Ideal nicht verwässert werden soll. Wenn es sich darum handelt, die Grundfesten der zionistischen Idee zu sichern, so muss man eine Form suchen, und man würde wahrscheinlich in fünf Minuten einen Ausweg finden. Dann muss man sich aber gutwillig zusammensetzen und darf sich nicht in leidenschaftliche Kontroversen hineintreiben lassen. Und noch ein paar Worte über den jüdischen Kongress. Um einen solchen Kongress habe ich mich genug bemüht, aber ich kann Ihnen sagen, dass es unmöglich ist, alles auf einmal zu schaffen, sowohl die politische Arbeit als auch den Keren Hajessod und dazu noch den Weltkongress mit den wenigen Menschen und sozusagen zwischen Minchah und Mäaraw. Wir müssen noch zuwarten. 152