Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 171)
- Language
- German, English, Hebrew
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Kraft, vertrauen Sie der Macht unserer Bewegung und unserer Idee, dann werden Sie diese Bewegung so erhalten, wie wir sie uns denken, als grosse, mächtige nationale Bewegung. Dann wird es keine kleine Kolonisation v/erden, und dann wird man sagen können: Das ist noch nicht der Judenstaat, aber er wird es und kann es sicherlich werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Joachim Neiger (Westgalizien, deutsch): Geehrter Kongress! Seit Wochen und Monaten ist keine Ruhe in der zionistischen Welt.; Ein Wort spukt herum und verbittert das Leben: Das Wort Krise. Das hat alle Gemüter niedergedrückt. Ich gestehe, dass ich in der zionistischen Bewegung grau geworden bin und doch Furcht gehabt habe, zu diesem Kongress zu kommen. Ich wollte das auf dem Kongress nicht mitansehen. In eine solche Stimmung hat man uns gebracht. Wir haben aber hier ganz andere Worte gehört. Wir haben von unseren Führern, mit denen wir in enger Freundschaft und Liebe verbunden sind, gehört, dass die politische Lage ernst ist. Wann ist unsere Lage nicht ernst gewesen? Aber die englische Regierung hält doch nach wie vor an der Balfour-Deklaration fest! Man hat für den Keren Hajessod die gewaltige Summe von einer Million Pfund gesammelt. Die hebräische Sprache verbreitet sich, die nationale Kultur wächst. War es also nötig, das gefährliche Wort „Krise" in die Massen zu werfen? Das jüdische Volk hat schon schwerere Krisen überwunden. Wir von der westgalizischen Landsmannschaft erklären offen und ehrlich: Wir haben Vertrauen und Liebe zu unseren Führern. Wir erinnern uns an die Begeisterung, die S o k o 1 o w bei uns gefunden hat, als er vor kurzer Zeit in Polen weilte. Da sind ihm die Herzen zugeflogen und auch das Geld ist gekommen. Wir können uns den Enthusiasmus beim Empfange Dr. Weizmanns in Amerika vorstellen. Wenn nun das Vertrauen zu unseren Führern nicht geschwächt ist und auch der Erfolg sich sehen lassen kann, wozu hat man dann ein so gefährliches Wort in die Massen geworfen und gesagt, noch eine solche Krise und unser Rückgrat ist gebrochen? Das Rückgrat des jüdischen Volkes ist so stark, dass es nie gebrochen werden kann. Kaiser Hadrian, Spanien und alle unsere Feinde haben uns das Rückgrat nicht brechen können. Es wird uns auch ein Jahr ökonomischer Krise nicht das Rückgrat brechen. Ebenso verhält es sich mit dem zweiten Wort, mit dem man uns hier geschreckt hat, von der Liquidierung der Zionistischen Organisation. Auch das ist ein falsches Bild. Der Zionismus kann nie liquidiert werden. Die Kraft des Zionismus liegt im jüdischen Blut. Wir haben ihn nicht umsonst 30 Jahre hindurch dem Volke eingeimpft, als dass er durch einen Beschluss zu existieren aufhören könnte. Der Zionismus wird nie sterben und niemals liquidiert werden. (Lebhafter Beifall.) Deshalb sind wir auch für die Erweiterung der Jewish Agency. Wir haben auch hier keine Angst vor Zertrümmerung und Liquidierung. Natürlich werden wir Sicherungen verlangen. Die Ehre der Zionistischen Organisation soll geschützt, die Integrität der zionistischen Bewegung 148