Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 165)
- Language
- German, English, Hebrew
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bin verantwortlich vor jenen Arbeitern, unter denen ich lebe und die ich veranlasst habe, nach Palästina, als nach der zukünftigen jüdischen Arbeitsheimstätte, zu gehen. Und mit dieser Verantwortung messen wir unsere Politik und Wirtschaft. Unsere politischen Vorschläge wollen wir in der politischen Kommission machen. Vielleicht, geehrter Kongress, werden Sie dort mehr Erfolg haben als bisher im Actions-Comite und in der Leitung, wo das Verschweigungssystem herrscht. Das politische und das wirtschaftliche System stehen in engstem Zusammenhang miteinander, und darum hat heute auch Herr Ussischkin die Möglichkeit gehabt, im Gedächtnis und im Gemüt eines jeden Delegierten die Fakten unserer agrarpolitischen Niederlagen tief einzugraben; und dies ist ein weiteres Bild zur Tragödie der jüdischen Arbeit in Palästina, welche in grossem Masse das Resultat des wirtschaftlichen Systems ist, das in der zionistischen Bewegung praktiziert wird. Soll der Kongress und die grosse öffentliche Meinung urteilen, ob man so Sympathien hervorrufen und unsere Mittel für den wirtschaftlichen Aufbau vergrössern kann! Man hat mir vorgeworfen, dass es bei einer grossen Einwanderung zu einer grossen Arbeitslosigkeit gekommen wäre. Ich will aber nicht das Faktum der Arbeitslosigkeit vor Sie hinstellen, sondern die Ursache betrachten, derentwegen es in Palästina keine Arbeit gibt. Keiner von uns bekämpft die Privatwirtschaft, und wir sind auch bereit, die Privatinitiative zu begrüssen, die nach Palästina kommt, aber wir rechnen nicht damit, dass das öde und verlassene Land, in das man viel hineinstecken muss, bevor es Gewinn bringt, Privatkapital anders ansprechen kann, als wenn dieses Kapital die Möglichkeit bekommt, billige Arbeit und kulturell rückständige Arbeiter zu exploitieren. Wir haben keinen Zwang dafür, dass die Privatinitiative nur jüdische Arbeiter beschäftigen soll. Es ist ihr Recht, zu beschäftigen, wen sie will und mit wem es sich ihr lohnt. Daraus ergibt sich aber, dass das privatwirtschaftliche System für die jüdische Arbeit in Palästina keinerlei Perspektive eröffnet, und das heisst zugleich, dass sie auch keine Perspektive für eine jüdische Einwanderung eröffnet, also keine Perspektiven für die Realisierung des Zionismus. Welches ist also der Weg? Der einzige Weg ist das jüdische nationale Kapital, welches diQ nationale, die Volkswirtschaft aufbaut. Aber wie gross ist unsere Sünde und der Niedergang, wenn nicht nur die nationale Arbeit nicht genug gestützt wird, sondern wir eine Beschränkung jüdischer Arbeit sogar auf Kosten des Volkskapitals verzeichnen müssen. Wir müssen von der Tribüne des Kongresses auf die traurige Erscheinung hinweisen, dass in der Privatwirtschaft überhaupt für den jüdischen Arbeiter der Numerus nullus herrscht, obwohl diese Privatwirtschaft auf Kosten des nationalen Kapitals bei unseren nationalen Banken Kredite erhält und Gewinn einbringt. (Starke Unruhe.) Ich will nicht in allgemeinen Ausdrücken reden, sollen die Tatsachen sprechen und 142