Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 163)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476280--5271-3481416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wollen wir Fremden nachjagen und die Eigenen uns entfremden oder die noch nicht völlig ausgenützten schöpferischen Kräfte, soweit wir vermögen, ausnützen? Geehrte Delegierte! Der einzige jüdische Weltkongress, der Zionistenkongress soll allein die Würde behalten und die Avantgarde des Aufbaues soll nicht auf eine Fläche gestellt werden mit den palästinensisch-englischen Privatpersonen. (Zuruf Levite: Was schlagen Sie vor? Wir haben doch keine Zeit!) Wenn Sie Zeit haben, Notabein heranzuziehen, so haben Sie auch Zeit, darüber nachzudenken, wie man die Interessen der Volksmassen schützen kann. Wir sprechen da nicht vom Kampf mit Ihnen, sondern vom Aufbau Palästinas. Wir wollen, dass die Zahl der Aufbauenden möglichst gross sei. Wir haben eine grosse Eroberung gemacht, den KerenHajessod. Zu dem sind auch Nichtzionisten gekommen, Juden aus der Masse, selbst Volkisten, nicht der Ehre wegen, sondern weil ihr Palästinagefühl durch die Arbeit unserer Chaluzim in Palästina neu in Wallung gebracht wurde. Sie bringen nicht Worte, sondern Geld. Sie fühlen sich mit uns zusammen verantwortlich, und deshalb müssen die Zionisten und die Keren Hajessod-Zahler die Verantwortung haben und darum alle Angelegenheiten, einschliesslich der Jewish Agency, verwalten. Die Keren Hajessod- Zahler haben nicht mit der Ehre, sondern mit den Pflichten begonnen, und darum sind sie uns ebenbürtig, wenn sie auch ideologisch keine Zionisten sind und nicht zum Zionistenkongress kommen. Wir müssen daher zusammen mit ihnen den Kongress für den Aufbau Palästinas zusammenrufen. Das ist alles, was politisch gemacht werden kann. Das übrige ist Grossprecherei und wir warnen Sie auch heute wie vor vier Jahren vor den „Erlösungs"-Parolen. Ahmen Sie nicht die Leitung nach und geben Sie nicht die grosse und heilige Losung vom jüdischen Weltkongress aus, der sich mit allen Fragen des jüdischen Lebens befassen soll. Seine Zeit ist noch nicht gekommen. In einer Zeit der Reaktion dürfen wir nicht die grossen und heiligen Losungen ausgeben. Auf eine solche Weise kompromittieren wir bloss die Idee. Ein jüdischer Weltkongress, die jüdische Gründungsversammlung sind eine historische Aufgabe für spätere Jahre. In unserer Zeit kennen wir nur eine zentrale Aufgabe des Kongresses: die jüdische Mehrheit in Palästina zu schaffen. Ich bedaure sehr, dass man gerade das auf dem letzten Kongress vergessen hat. Nicht im Mandat und nicht im White paper liegt die Garantie für unser Recht auf Arbeit in Palästina, sondern nur in unserem systematischen Kampf und unserer wirtschaftlichen Arbeit. Um die jüdische Mehrheit zu schaffen, brauchen wir die jüdischen Massen, die jüdische Arbeit, die Massen einwanderung, jüdischen Boden und jüdisches Kapital. Das ist der Weg unseres Aufbaues. Und wie sehen wir heute in dieser Beziehung aus? Politisch sind wir Salondiplomaten, und für unser Recht in Palästina, welches systematisch verletzt wird, wird nicht gekämpft. Die Leitung ist salonfähig, aber nicht kampffähig in der schwersten Periode des Zionismus, weil die Leitung von dem gewaltigen Schrei jüdischer Not und jüdischen Willens 140