Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
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ist imstande, uns jene Arbeiterklasse zu erziehen, aus der der jüdische Farmer hervorgehen kann. Darum wäre es ein Unglück, wenn wir die kargen Mittel, die wir für die landwirtschaftliche Kolonisation haben, dazu benützen würden, um nur die Moschawim zu stützen und zu fördern. Das Resultat wäre, dass wir einige hundert Landarbeiter als Bauern kolonisiert, aber nicht eine Wirtschaftsform geschaffen hätten, die imstande wäre, eine gelernte, tüchtige jüdische Landarbeiterschicht heranzubilden. Ich will von diesen Einzelheiten zu einer allgemeinen Frage, zur Frage der Konstruktion unseres Budgets übergehen. Ussischkin hat als Losung für unsere zukünftige Tätigkeit die Formel geprägt, dass wir Menschen, Land und Kultur haben müssen. Wäre dies nur eine Redewendung, eine rhetorische Figur, dann hätte ich sehr gern applaudiert. Aber ich hege den Verdacht, dass hinter dieser rhetorischen Figur ein System steckt. Zum ersten Male glaube ich Herrn Ussischkin, dass er ein System der Kolonisationsarbeit hat. (Heiterkeit.) Dieses System ist aber nur eine Fortsetzung oder eine literarische Formulierung von dem, was Herr Ussischkin die teure Wirtschaft armer Leute genannt hat. Das ist ganz richtig. Aber wir dürfen aus dieser Not keine Tugend machen, wir dürfen nicht ständig teuer wirtschaften und wie arme Leute leben. In der Dreieinigkeit, die Herr Ussischkin formuliert hat, fehlt die fundamentalste Aufgabe unserer kolonisatorischen Tätigkeit. Gewiss brauchen wir Menschen, Land und Kultur, aber die Hauptaufgabe ist die Arbeit, die Arbeitsbeschaffung und die Arbeitsmöglichkeit. Es ist erstaunlich, dass Herr Ussischkin davon nicht gesprochen hat. Wir können nicht Land kaufen, Menschen bringen und Schulen für sie bauen, wenn keine Arbeit da ist. Ich will Ihre Aufmerksamkeit auf einige Tatsachen in unserem Budget lenken. Die Erfahrung lehrt, dass wir Grund haben, beunruhigt darüber zu sein, wie sich Herr Ussischkin die Verwirklichung seines kolonisatorischen Programms denkt. Wir haben ein Budget, welches ein grosses Uebergewicht derkulturellenTätigkeit zeigt, wobei die produktiven Zweige der Arbeit, die der Vergrösserung des Jischuw dienen, vernachlässigt worden sind. Ich halte es für meine Pflicht, Sie daran zu erinnern, wie wir unsere Mittel in den letzten zwei bis drei Jahren aufgeteilt haben. Wer den Finanzbericht gelesen hat, wird folgende interessante Tatsachen finden. Im Jahre 5681 sind von der Zionistischen Organisation rund 430.000 Pfund ausgegeben worden, davon für Erziehung, Schulen, Universität usw. 110.000 Pfund, für Hadassah 100.000 Pfund, für nationale Organisation 14.000 Pfund, zusammen 224.000 Pfund oder 52 Prozent des Budgets. In demselben Jahre hat die Landwirtschaft im ganzen 52.000 Pfund bekommen, das ist weniger als die Hälfte des Beitrages für Erziehung, die Immigration 54.000 Pfund und die öffentlichen Arbeiten 55.000 Pfund, das sind zusammen 161.000 Pfund oder 37 Prozent vom Budget. Mit anderen Worten, es wurden '224.000 Pfund für kulturelle und nationale Arbeiten ausgegeben, für kolonisatorisch e Arbeiten 161.000 Pfund. Etwas günstiger ist das Verhältnis 128