Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 149)
- Language
- German, English, Hebrew
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Zionismus führt zu der Unsicherheit, zu der Systemlosigkeit in allen anderen Zweigen der Tätigkeit. Wir Poale-Zion stehen seit Jahren auf dem Standpunkte, dass die Zukunft der jüdischen Wirtschaft in Erez Israel beruhen muss auf dem nationalen, demokratisch kontrollierten Kapital, weil das private Unternehmerkapital den nationalen Interessen abträglich ist und sich in Gegensatz zu den Arbeitsinteressen der besitzlosen und arbeitsuchenden Massen setzt. Wir sind überzeugt, dass die zionistische Bewegung in dem Momente gesunden wird, da sie sich klar auf den Standpunkt stellen wird, Erez Israel mit Volks kapital zu finanzieren, und an das jüdische Volk appellieren wird, dieses Volkskapital zu schaffen; nicht um privaten Unternehmern die Möglichkeit eines Gewinnes zu geben, sondern um die Grundlagen für eine wahre Volkswirtschaft zu schaffen, beherrscht von den Interessen der breiten, arbeitenden Volksmassen. Noch ein Wort zu den Bemerkungen Ussischkins bezüglich des Jüdischen Nationalfonds. Er hat gesagt: Der J.N.F. hat sich die Aufgabe genommen, Land zu kaufen, und nun ist auf seine schwachen Schultern die Aufgabe gefallen, Kolonisation zu treiben, Ameliorierungs- und Assanierungsarbeiten durchzuführen. Ich finde, dass Ussischkin dabei zwei Begriffe verwechselt hat. Gewiss, Ameliorations- und Assanierungsarbeiten gehören zur Kolonisation, aber das ist nur der erste Schritt zur Kolonisation. Die Ansiedlung von Landarbeitern und Farmern auf dem Lande ist mit dem Kauf und der Ameliorierung von Boden erst begonnen. Dann kommen Kolonisationskapital und die nötigen Kredite, die wir durch den Keren Hajessod und seinen Kolonisationsfonds beistellen. Es sieht so aus, als wollte sich Ussischkin entschuldigen, dass der J. N. F. bedeutende Summen für Amelioration und Assanierung ausgegeben .hat. Es scheint, dass er dies nicht als Aufgabe des J. N. F., sondern als eine Arbeit betrachtet, die dieser macht, weil es eben andere nicht tun. Ich kann nicht genug betonen, wie sehr ich der Meinung bin, dass es nötig ist, den J, N. F. auf die eigentliche Aufgabe von Landkauf und Sicherung des Bodens für unsere landwirtschaftliche Tätigkeit zu konzentrieren. Aber ich betrachte es nicht als die Aufgabe des J. N. F.,-Boden zu kaufen und in dem nichtameliorierten, ausgesaugten Zustand, in dem er sich jetzt in Erez Israel befindet, den Arbeitern als Basis für ihre Agrarproduktion zu geben. Das war ja der Fehler, ja noch mehr, das Verbrechen, das begangen wurde, dass man die jüdischen Landarbeiter auf nichtvorbereiteten Boden gebracht hat, der durch Jahre extensiver Wirtschaft so ausgemagert war, dass er für Kolonisten mit jüdischen und europäischen Bedürfnissen nicht rentabel sein konnte. Es war ein schwerer Fehler und eine grosse Sünde gegen unsere landwirtschaftlichen Pioniere, dass man ihnen Erde in nicht amelioriertem Zustande übergeben hat, Sümpfe, nicht drainiert, ohne Wasser, mit schlechten, verpesteten Brunnen. Und so hat man sie zu reduzierter Arbeitskraft infolge Typhus und anderer Seuchen verurteilt. In Merchawia war vor dem Kriege und zur Zeit des Krieges der Durchschnitt der Krankheitstage eines Arbeiters im Jahre 30 Tage, also ein 126