Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 140)
- Language
- German, English, Hebrew
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weniger Romantik und mehr Sinn für das reale Leben! Sie wollen nicht als Heroen betrachtet werden, sondern als reale Menschen, die wie Menschen leben wollen und reale Bedürfnisse haben. Natürlich liegt die Schuld auch in den abnormalen Verhältnissen, in der Passivität der Zio nisten. Es ist dazu gekommen, dass sich unsere oberste Leitung in ein Sammelkomitee verwandelt hat, das von Land zu Land fährt und Geld sammelt, um die Kosten des täglichen Lebens zu bestreiten. Das ist eine abnorme Sache. Dr. H a n t k e hat heute gegen den Bureaukratismus gesprochen. Ich gebe zu, dass der Keren Hajessod eine grosse Sache ist, aber ich finde auch dort den Bureaukratismus: sowohl in London als in Deutschland. Man macht die Sache bureaukratisch mit Zirkularen und Memoranden, aber man fühlt nicht den Geist, die Idee. Man ist zu dem Gedanken gekommen, dass das ganze jüdische Volk Erez Israel aufbauen soll, und deshalb ist man zu der Frage des Weltkongresses gekommen. Ich muss aber auch da sagen, dass, so gross auch die Schwierigkeiten sind, das jüdische Volk doch das Gefühl hat, dass die Energie fehlte, welche zur Verwirklichung dieses Problems geführt hätte. Man hat nicht alle Mittel erschöpft, um diese Idee zu realisieren. Ich will dieses Problem nicht ausführlicher behandeln, da wir noch eine besondere Debatte darüber haben werden. Aber eines ist für mich sicher. Ich bleibe dabei, dass, wenn Erez Israel in Gefahr-ist, alle Gruppen des jüdischen Volkes mitarbeiten müssen. Wie sich in einem Staate im Falle eines Krieges alle Parteien vereinigen, so muss dies uuch jetzt bei uns geschehen. Aber dies darf nur unter der Kontrolle unserer Organisation vor sich gehen. Die Organisation muss ein Stück ihrer Souveränität weggeben. Nicht auf die Macht kommt es an, sondern darauf, dass der zionistische Gedanke das Zentrum dafür sein soll. (Lebhafter Beifall.) Um zu resümieren: Wir verlangen, dass die Exekutive einen starken und einheitlichen Willen hat; wir verlangen eine M e t h o d e bei der Kolonisation und bei der Wirtschaft; wir verlangen, dass die richtigen Menschen an die richtige Stelle kommen. Man soll nicht Jeden Tag neue Konzepte machen und seine Kraft in Einzelexperimenten verzetteln, sondern nach einem grosszügigen Plan vorgehen. „Non multa, sed multum." Wenn wir die neue Leitung unter diesen Auspizien wählen werden, dann werden wir in den nächsten zwei Jahren wenig Grund zu Klagen haben. So wie ein physischer Körper, in welchem sich Energie •angesammelt hat, Strahlen in die Welt sendet, so wird die neue Leitung alle Energien des jüdischen Volkes in sich aufnehmen und sie in die Welt hinausstrahlen für den Aufbau von Erez Israel. (Lebhafter Beifall) Mitglied des A. C. Izchak Grünbaum (Polen, jüdisch): Geehrter Kongress! Wenn ich die jetzige Lage im Zionismus charakterisieren wollte, würde ich vor allem sagen, dass sie dadurch charakterisiert ist, dass der Präsident mit der Exekutive der Organisation sich in einem konstitutionellen Konflikt befindet. Der Präsident der Organisation ist mit seinem Kabinett nicht in Uebereinstimmung. Diese Lage ist eigentlich für uns nicht neu. Wir haben eine ähnliche Lage vor dem 117