Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 138)
- Language
- German, English, Hebrew
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Losung unter die amerikanischen Juden werfen, dann werden wir nicht wieder solche Krisen erleben wie im letzten Jahre, dann werden wir uns alle auf einer Linie bewegen, auf der Linie des Aufbaues von Erez Israel. (Lebhafter Beifall.) Mitglied des A. C. Dr. Leon Reich (Ostgalizien, jüdisch): Geehrter Kongress! Es ist unleugbar, dass wir in den letzten zwei Jahren gewisse Misserfolge in unserer Bewegung gehabt haben. Ich wäre aber kein objektiver Kritiker, sondern ein verblendeter Dogmatiker, wenn ich behaupten wollte, dass die Schuld an diesen Misserfolgen bei der Leitung liegt. Viel stärkere Mächte als die Zionistische Organisation haben in ihren politischen Plänen und in ihrem Wirken Schiffbruch erlitten. Es waren Momente, die ausserhalb der Bewegung liegen, es waren Zustände und Verhältnisse, die in der ganzen internationalen Konstellation begründet sind, die zu dem Misserfolg geführt haben, für den niemand von uns, auch nicht die Exekutive, die Verantwortung übernehmen kann. Es tut uns natürlich weh, wenn wir sehen, dass, je näher wir theoretisch der Realisierung unseres Planes sind, desto mehr die Erkenntnis von der Unzulänglichkeit unserer Mittel und der Schwäche unserer Kraft wächst. Nicht immer liegt aber die Schuld auf Seite derjenigen, die das Ruder in Händen haben. Weil wir nun objektiv genug sind, das zu konstatieren, so ist es umsomehr unsere Pflicht, den Misserfolg festzustellen auch dort, wo manchmal eine Schuld auf Seite unserer Exekutive liegt. Wir wissen angesichts dessen, dass es heute überall brodelt und gärt, und da der Hass aller gegen alle immerfort anwächst, wächst auch der Hass gegen die Juden auf Seiten derjenigen, die fürchten, dass ihnen die Juden etwas wegnehmen könnten. Es war daher* umsomehr Pflicht der Leitung, eine starke, konsequente, eiserne Energie zu zeigen und vor allem einen einheitlichen Willen. Das hat aber gefehlt. Wir haben in die Exekutive Männer entsendet — ich sage das nicht, um zu kritisieren, sondern um darzutun, was für die Zukunft zu vermeiden ist, — die nicht verantwortlich sind wie Fachleute für ein gewisses Ressort, sondern ,,Stam"-Exekutivmitglieder. Man durfte glauben, dass die Exekutive einheitlich auftreten werde. Dr. Arlosoroff hat aber schon nachgewiesen, dass von einer Einheitlichkeit, einem gemeinsamen Willen und einer Solidarität im Handeln nicht viel zu merken war. Vielleicht lag das daran, dass die Exekutive dort zu schwach war, wo etwas mehr Stärke' von Nutzen gewesen wäre. Ich behaupte, dass sie auch in diplomatischer Beziehung, in ihrer Haltung gegenüber England und Herbert Samuel schwach war. Wohl mag der Fernstehende nicht kompetent sein, über Dinge zu urteilen, die man nur in der Nähe genau kennen lernen kann; aber auf Grund von Erfahrungen wissen wir, dass man nicht bloss durch Geschütze, Armeen und Flotten einen Druck ausüben kann. Zwischen dem lauten Druck, dem scharfen Protest und dem absoluten Sichbeugen liegt noch eine ganze Skala. Wir haben nicht immer gefühlt, dass alle Mittel ausgenützt werden. Wir haben es nicht gefühlt, als es sich um Dinge handelte, die einen entscheidenden Einfluss auf Erez Israel haben, wie z. B. um T r a n s j o r d a n i e n. Gewiss, das war nicht von 8* -i 115