Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 129)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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Mit Befriedigung akzeptieren wir das Programm Dr. Weizmanns über die Verstärkung der Einwanderung. Vor diesem Forum braucht man nur die Tatsache festzustellen und sie nicht zu begründen. Es müssen alle Schritte angewendet werden, um die Immigration so stark wie möglich zu machen, selbstverständlich im Rahmen des Vernünftigen. Diese Aufgabe wird uns nur gelingen, wenn in unserer Bewegung das Verständnis dafür bleibt, dass diese -ganze Arbeit in Palästina eine Arbeit von Pionieren ist, dass es sich um eine Chaluzarbeit handelt; dass es nicht möglich sei, Palästina als das beste, bequemste, sicherste Immigrationsland zu erklären; sondern dass wir Menschen' erziehen müssen, welche nach Palästina zu geihen und dort mit Aufopferung ihres Lebens zu arbeiten bereit sind, obwohl sie wissen, dass ihre Arbeit nur ihren Lohn findet in den Notwendigkeiten unseres jüdischen Lebens und nicht in dem Wohlbefinden des Einzelnen. Zu meinem Bedauern muss ich konstatieren, dass, soviel auch jetzt in der Bewegung nach aussen mit der Idee des Chaluztums Propaganda gemacht wird, nicht alle Glieder unserer Organisation die Verpflichtung fühlen, diesen Chaluzgedanken mit aller Kraft und mit sehr grossem Ernsi durch die ganze jüdische Weit zu tragen. Nur wenn es uns gelingt, wirkliches Chaluztum nach Palästina zu bringen; nur wenn es uns gelingt, in der jüdischen Volksseele die Stimmung aufrecht zu erhalten, dass das Volk uns seine Kinder gibt, damit sie Chaluzim für Palästina werden: nur dann kann es uns — ganz gleich, wie die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina sind — gelingen, ein jüdisches Zentrum in Palästina zu schaffen. Täuschen wir uns nicht! Wir sind nicht zu einer Aktiengesellschaft geworden, welche ein Land zu kolonisieren hat; sondern wir sind eine nationale Bewegung, welche ein Land nur kolonisieren kann in wirtschaftlicher Form, aber unter Aufbietung aller moralischen Kräfte, die im jüdischen Volke vorhanden sind. In diesem Punkte liegt das Entscheidende für die Zukunft unserer Organisation. Nur wenn der Jude fühlen wird, dass wir Zionisten wirklich die Vertreter des Chaluzgedankens, wirklich Chaluzim sind, wird er uns folgen, sonst nicht Ich will in diesem Zusammenhange, um sofort auf das Reale zu kommen, nur eines erwähnen: Wenn Sie Chaluzim haben wollen, müssen Sie für H a c h s c h a r a h sorgen. Es hat keinen Zweck, von Chaluzgedanken zu sprechen und nichts dazu zu tun, dass der Chaluz ausgebildet wird. Wie wir das nationale Bewusstsein im jüdischen Volke geschaffen haben, so müssen wir den ausgebildeten Chaluz schaffen, und wir verlangen von der Exekutive, dass sie in anderer Weise als bisher diese Idee zu ihrer Aufgabe macht. (Lebhafter Beifall.) Ich komme damit zur Frage der jüdischen Politik unserer Bewegung. Diese Frage ist wichtig zu einer Zeit, wo man von einer Jewish Agenc.y unter Heranziehung von Nichtzionisten spricht. Ich brauche auf dieses Thema im einzelnen nicht einzugehen. Aber seien wir uns klar: Wenn wir andere Leute heranziehen wollen, so können wir dies nur dann tun, wenn wir an sie im Bewusstsein einer starken Bewegung herantreten. Sind wir wirklich der Ansicht, dass unsere Organisation, 106