Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 124)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476280--5232-3481377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mitglied des A. C. Hermann Struck (Misrachi-Deutschland): Geehrter Kongress! (Andauernde Unterbrechungen.) Vizepräsident Ben-Zwi: Wir wollen den Inzidenzfall beendigen, indem ich erkläre, dass Herr Schweiger einen nichtparlamentarischen Ausdruck gebraucht hat. (Neuerliche Zwischenrufe.) Mitglied des A. C. Hermann Struck: Der Präsident hat die Pflicht, die Verhandlungen so zu führen, dass sie sich in parlamentarischen Formen vollziehen, er hat nicht das Recht, irgendwie in die Debatte einzugreifen, indem er seine eigene Meinung kundgibt. Wir haben nicht gehört, dass das unparlamentarische Wort, das hier gebraucht wurde, vom Präsidenten in richtiger Form gerügt wurde. Die einzig richtige Form dafür ist, den Betreffenden zur Ordnung zu rufen und ihn zu veranlassen, das Wort zurückzunehmen, damit wir in anständiger Form weiter verhandeln können. Delegierter B. Locker: Dann muss aber auch Herr Berlin sein Wort zurückziehen. Er hat die jüdische Arbeiterschaft beleidigt. Mitglied des A. C. Hermann Struck: Darauf zu antworten, werden Sie Gelegenheit haben. Der zweite Punkt, den wir zu rügen haben, ist der, dass der Präsident kein Recht hat, irgendwie zu der Rede des Redners Stellung zu nehmen. Wir erblicken in seinen Worten eine Stellungnahme und eine Verletzung der Neutralität, die die oberste Pflicht des Präsidenten ist. (Lebhafter Beifall.) Wir ersuchen darum den Präsidenten, diese seine Stellungnahme zu korrigieren oder den Präsidentenplatz zu verlassen. (Lebhafter Beifall rechts, stürmischer Widerspruch links.) Mitglied des A. C. Sal. Kaplansky: Geehrter Kongress! Nach den Geschäftsordnungen, wie sie wenigstens auf dem Kontinente eingeführt sind, unterbricht man den Redner nicht durch Geschäftsordnungsbemerkungen. Am wenigsten ist es Mode, den Präsidenten zu kritisieren. (Ruf: Er ist parteiisch durch und durch!) Seit zionistische Kongresse sich versammelt haben, haben sozialistische Redner unter dem Vorsitz von Nichtsozialisten und Misrachisten gesprochen, und die Herren vom Misrachi müssen sich gewöhnen, auch unter dem Vorsitz eines sozialistischen Präsidenten zu reden. (Beifall.) Es .ist ein nichtparlamentarischer Ausdruck als Zwischenruf gefallen. Der Herr Vorsitzende hat ihn gerügt. (Unterbrechungen.) Wir haben Herrn Struck reden lassen, trotzdem er nach unserer Meinung keine Kritik hätte üben dürfen. Der Herr Vorsitzende hat in einer durchaus parlamentarischen Form erklärt, dass er einen solchen Ausdruck nicht gestatten werde; und wer hebräisch versteht, hat verstanden, dass er erklärt hat, dass ein solcher Ausdruck nicht erlaubt ist und dass eine Widerlegung in parlamentarischer Form zu erfolgen hat. Wir sind überzeugt, dass für die Attacke des Herrn Struck gegen den Präsidenten kein Grund vorlag und wir dulden nicht, dass der Präsident, der durchaus korrekt gehandelt hat, beleidigt wird.„ Die Forderung, dass er den Präsidentenstuhl verlässt, ist daher unzulässig und wird von uns mit den letzten Mitteln bekämpft werden. Vizepräsident Ben-Zwi: Ich bitte, mich die Verhandlungen ruhig führen zu lassen, damit Sie hören, was ich sage. Ich habe schon vorhin den Zwischenruf des Herrn Schweiger als unparlamentarisch zurückgewiesen und rufe ihn deswegen zur Ordnung. Ueber die Sache selbst werden wir später sprechen müssen. Es handelt sich um einen Vorfall, über den falsche Nachrichten in der Presse verbreitet wurden. Dies ist keine gewöhnliche Sache, sondern es handelt sich um vergossenes Blut jüdischer Arbeiter, und die Tatsachen müssen und werden später aufgeklärt werden. 101