Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 117)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ich sagte schon, dass wir in den'beiden letzten Jahren zu einem Zustand der Liquidierung gekommen sind. Hier auf dem Kongress wurde von verschiedenen. Seiten versucht, dagegen zu protestieren: An unserem Zionismus sei nicht zu zweifeln, wir seien im Laufe der letzten Zeit bezüglich der zionistischen Arbeit auf der Wacht gestanden. Weizmann und Ussischkin sagten uns in ihren Reden, dass wir trotzdem in unserer Arbeit vorwärts gekommen sind. Ja, wir sind vorwärts gekommen, wir haben neue Tatsachen geschaffen, haben noch Steine zum Aufbau des Landes herbeigetragen, aber diese Antwort genügt nicht. Der allgemeine Stillstand in der Arbeit ist damit nicht berührt, und Stillstand ist Rückgang. Es hat Fortschritte gegeben, aber im Vergleich mit dem zionistischen Ziel und seiner Verwirklichung ist dieser Fortschritt eine kleine, ungenügende Sache, die die Bewegung eindämmt. Zwei Jahre der Einwanderung hatten wir auszunützen und haben einige tausend Menschen ins Land gebracht! Sie wissen, wie sehr wir für diese Einwanderung gearbeitet haben, wie sehr wir uns über die Einwanderung freuen, wie sehr wir auf diese Arbeit unser Augenmerk gerichtet und welche Energie wir verwendet haben, um sie fortzusetzen. Aber man muss gestehen, dass eine Einwanderung von einigen tausend Menschen keine Verwirklichung des Zionismus ist; und es gibt Leute unter uns,: die aus diesem Notstand eine Ideologie machen, und das ist die grösste Gefahr. Wir müssen uns fürwahr der Situation anpassen, aber wir müssen danach streben, zu anderen Methoden und zu einer anderen Einwanderung zu gelangen. Dasselbe gilt für die Kolonisationsarbeit. Es wurden Moschawe Owdim eingerichtet, die Kwuzoth im Emek wurden angesiedelt usw. und trotzdem herrscht die klare Erkenntnis in unserer Mitte, dass dieses Tempo und dieser Masstab uns nicht befriedigen können. Und derselbe Rückzug und dieselbe Einengung unserer Kräfte offenbart sich auf allen Gebieten der zionistischen Arbeit, und man kann sich nicht wundern, wenn wir auch in der Politik diese Linie fühlen. Jetzt über die Exekutive herzufallen, mit Vorwürfen gegen sie zu kommen, ist sehr billig. Aber eine-Sache ist in diesen zwei Jahren klar geworden, dass die Grundlage der zionistischen Politik die Arbeit am Aufbau Palästinas Ist, und solange diese Arbeit nicht in einem anderen Tempo und in einem anderen Masstab vorwärts geht, solange nicht neue Wege in dieser Arbeit gefunden werden, wird der Zustand, der in diesen zwei Jahren geherrscht hat, auch weiterhin bleiben. Auch in den Tagen der Annahme des Mandats, zur Zeit der Jahreskonferenz in London, befand sich unsere Bewegung in einer Situation der Bedrängnis und Beklemmung, und von dieser Zeit bis zum Abschluss des Vertrages mit Hussein befinden wir uns in einer Politik der stetigen Liquidierung des Zionismus. Ich möchte die Situation nicht weiter schildern. Sie kennen sie ebenso wie ich, aber ich möchte unterstreichen, dass im Zionismus das Bedürfnis nach einer anderen Perspektive aufgehört hat. Die zionistische Bewegung muss neue Wege einschlagen. Und da entsteht die Frage nach den Methoden dieser neuen Richtung, dieses neuen Weges. Die Rettung der Situation wird nicht von neuen organisatorischen oder politi- 94