Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 116)
- Language
- German, English, Hebrew
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trolle die Beschlüsse der Majorität nicht anerkennen wollen. (Beifall im Saale und auf den Galerien.) Vizepräsident Berlin: Die werten Gäste auf der Galerie sind uns sehr willkommen, aber sie dürfen sich an den Verhandlungen des Kongresses nicht beteiligen. Delegierter Morris Myer (fortsetzend): Man spricht von der Verantwortlichkeit, die wir allein haben. Ich habe gesagt, Palästina ist unsere Festung und wurde unsere Festung von dem Momente an, wo Weizmann durch die Baüour- Deklaration das historisch anerkannte Recht bekommen hat. Die Baltour- Deklaration hat Dr. Weizmann bekommen. Das ist die historische Wahrheit. Alle anderen haben ihm geholfen und nicht er den anderen. Er war derjenige, welcher den Impuls zur Balfour-Deklaration gegeben hat, und wir alle sind verpflichtet, Dr. Weizmann zu folgen und mit ihm zusammen die jüdischen Interessen und unser Recht in Palästina zu verteidigen. Dann wird unsere grosse Arbeit für den Aufbau des jüdischen nationalen Heimes Erfolg haben. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Dr. Chaim Arlosoroif (Hitachduth-Deutschland, hebräisch): Geehrter Kongress! Ich möchte, dass diese Debatte einen ernsten Inhalt hat und nicht aus einer Reihe von Versammlungsreden besteht. Wir halten es für richtig, unter die beiden Jahre vom XII. Kongress bis jetzt einen Strich zu machen und unser zionistisches Leben im Laufe dieser Zeit einer Prüfung zu. unterziehen. Ich weiss nicht, ob unter uns ein Mensch ist, in dessen Macht es stünde, das ganze Missverhältnis des zionistischen Gedankens zu der heutigen zionistischen Realität, zur heutigen Arbeit am Aufbau Palästinas, in klaren Umrissen zusammenzufassen und ein umfassendes Bild 4er ganzen Situation zu geben; ein Mensch, der mitten hineinleuchten könnte in den Zustand der Verheerung, der Fäulnis, des Mangels eines wirkenden, schöpferischen Gedankens. Aber ein Versuch muss in dieser Richtung gemacht werden; auch wenn er nicht gelingen sollte, müssen die Anstrengungen dazu gemacht werden. Wenn wir die Bilanz der letzten Jahre ziehen, müssen wir einen traurigen Rückzug feststellen, der geradezu bis zu einem Zustand der Liquidierung des Zionismus gelangt ist. (Beifall.) Nach den Jahren 1917 und 19(18 hätte man nicht denken sollen, dass der Weg des Zionismus mit Rosen bestreut sein werde und dass wir geradewegs auf unser Ziel .zugehen werden. Es war klar, dass eine Reaktion eintreten muss, dass es schwere und aufregende Situationen im Zionismus geben/ wird. Zugleich war aber klar, dass wir schliesslich unsere Kräfte konzentrieren werden. Leider ist jedoch eine Stimmung geschaffen worden, ein Geist der Panik im Zionismus, und die Aufgabe des XIII. Kongresses ist es, die zwei Wege zu finden: erstens den Weg, wie der Panik und der negatuven Stimmung ein Ende gesetzt werden soll, und andererseits müssen wir eine Perspektive für die Zukunft schaffen, wir müssen erkennen, was werden soll, und die Kräfte finden, welche uns in diese Zukunft geleiten können. Wenn wir jetzt ohne klare Zukunftsperspektive bleiben, wird der XIII. Kongress seine Aufgabe nicht erfüllen. 93