Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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wir normale wirtschaftliche Voraussetzungen in bezug auf den Frachtenverkehr in Palästina haben. Günstig entwickelt hat sich das Eisenbahnwesen. Ich bringe absichtlich hier diese Dinge vor, damit Sie sich wieder einmal ins Gedächtnis zurückrufen, dass die Wirtschaft Palästinas nicht nur von uns gemacht wird, und dass wir mit allen unseren Erfolgen und Misserfolgen aufs engste damit verknüpft sind, was seitens der Regierung und überhaupt im Lande geschieht. Die Eisenbahnen haben sich, wie gesagt, günstig entwickelt, weil man endlich eingesehen hat, dass man keine prohibitive Tarifpolitik in einem Lande so junger Entwicklung treiben darf; dass man niedrige Passagier- und Frachtentarife haben muss, wenn man den Verkehr entwickeln will. Man hat das jetzt getan und das hat zu sehr günstigen Resultaten geführt. Ueberaus ungünstig, so wie bisher, steht die Frage der Handelsbilanz Palästinas. Sie ist, wie in all den Jahren bisher, passiv, und es bedeutet für das Verständnis Palästinas und seiner wirtschaftlichen Verhältnisse mehr als unendlich vieles, was gesagt werden kann, wenn man sich wieder einmal vergegenwärtigt, dass im Jahre 1922 der Import nach Palästina 5,5 Millionen ägyptische Pfund betrug, während nur 1,3 Millionen exportiert wurden. Es ist klar, dass die Differenz von über 4 Millionen von aussen in das Land hineingebracht werden musste. Die wirtschaftlichen Tatsachen, die aus diesen Zahlen sprechen, können auch mit dem grössten Idealismus nicht überwunden werden. Eine ständige passive Handelsbilanz ist ein Ding der Unmöglichkeit, und deswegen ist es für uns eines der wesentlichsten Probleme, wie man das ändert. Ich will mich nicht lang darüber auslassen, aber eines ist klar: Ein grösserer Export auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der nur herbeigeführt werden kann durch grössere Orangen-, Mandeln-, Oel- und Weinkulturen, ist nur langsam — denn Sie wissen, dass diese Dinge nur langsam zur Reife gebracht werden können, — möglich und kann nicht bei den überaus schwierigen Absatzverhältnissen und der ständig wachsenden Konkurrenz anderer Länder, bei denen die klimatischen und Bodenverhältnisse mindestens ebenso günstig, wenn nicht günstiger sind, ins unendliche gesteigert werden. Wir müssen den Zustand beseitigen, dass so unendlich grosse Summen ausgegeben werden für Ganz- und Halbfabrikate, die nach Palästina eingeführt werden, und ich komme da zurück zum Anfang meiner Ausführungen: auch wenn wir Geld daran verlieren, und wenn der Einzelne und die Gesamtheit Geld daran verliert, so gibt es keine gesündere Politik, als Industrien in Palästina zu schaffen. Gewiss kann man nicht heute hintreten und sagen: Machen wir diese und diese Industrie, obwohl sie verlustbringend ist, aber man muss sich daran erinnern, dass in keinem Lande Industrien geschaffen worden sind ohne Verluste, und wenn es etwas in diesem Zu- 82