Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 102)
- Language
- German, English, Hebrew
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führt wird. Ich habe hier vor mir den Bericht der palästinensischen Administration für das Jahr 1922, den ich Ihrer Lektüre auf das nachdrücklichste empfehle, denn er enthält sehr reichhaltiges und interessantes Tatsachenmaterial. In diesem Berichte befindet sich gleich zu Anfang ein Satz, der die gesunde Situation des Wirtschaftslebens in Palästina beweisen soll, und dieser Satz hebt es rühmend hervor, dass im abgelaufenen Jahre kein Bankerott und keine zwangsweise Liquidierung einer palästinensischen Unternehmung stattgefunden habe. Auf die Gefahr hin, frivol zu erscheinen, erkläre ich: dies ist kein Beweis eines gesunden Wirtschaftslebens; dies ist ein Beweis für ein Wirtschaftsleben in einer Retorte; dies ist der Beweis eines Wirtschaftslebens, das so künstlich behütet wird, dass man keine Chance hat, anzunehmen, dass sich aus ihm Grosses entwickeln kann. Innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist es normal dass ein Teil der Betriebe nicht reüssiert und dass ein Teil der Leute, die irgendein Unternehmen anfangen und sich darin betätigen, keine günstigen Erfolge haben. Das ist das Wesen der Privatinitiative. Es ist nicht das Wesen der Privatinitiative, dass man geschickt genug ist, einen Bankkredit zu bekommen, und dann das Geld der Bank verliert. Das ist zwar tüchtig, aber keine Privatinitiative. (Heiterkeit.) Das Wesen der Privatinitiative auf diesem Gebiete ist, dass, genau so wie der Chaluz seine Arbeit einsetzt mit vollem Risiko für Gesundheit und Leben, jemand sein Vermögen einsetzt und das Risiko läuft — womit man nicht nur in neuen Ländern, sondern in jedem Lande zu rechnen hat — dass man eben nicht reüssiert. Solange wir nicht Leute haben werden, die so die Privatinitiative verstehen, gibt es bei uns überhaupt keine Privatinitiative. Noch eines gehört dazu: Dass diejenigen, die nicht reüssieren, die Dinge so betrachten, wie man sie in jedem Lande betrachtet. Es ist eine Merkwürdigkeit: Wenn irgend jemand in einem anderen Land nicht reüssiert und gezwungen ist, die Zahlungen einzustellen, trachtet er, dass möglichst wenig darüber gesprochen werde. Wenn aber jemand in eine so schwierige Situation in Palästina gerät, spricht er möglichst viel davon, denn er hält sich für ein nationales Opfer. * Wir müssen Formen finden für solche Kredite, die bankmässig nicht gewährt werden können. Die Gewährung solcher Kredite ist vielleicht in unserer jetzigen wirtschaftlichen Situation wesentlicher als die anderer. Aber das darf niemals dazu führen, dass man bankmässig Kredite gibt, die bankmässig nicht gewährt werden können. Ein solches System gibt es nicht, und das hängt weder mit den Leuten zusammen, die die Bank verwalten, noch mit irgendwelchen Prinzipien, sondern mit den wirtschaftlichen Tatsachen. Wenn es uns gelingen könnte, die wirtschaftlichen Tatsachen zu personifizieren, und Sie mit ihnen debattieren könnten, würde es Ihnen vielleicht gelingen zu beweisen, dass sie unrecht haben. Aber 79