Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 63)
- Language
- German, English, Hebrew
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Herzen und gingen uns allen zu Herzen. Wenn ich Sie dennoch bitte, mir noch einige Worte der Trauer zu erlauben, so geschieht es nur, weil ich — Sie gestatten mir den Ausdruck — zu den beiden Toten in ganz besonders freundschaftlichem Verhältnis gestanden habe. Ich bin von diesem doppelten Verluste tief getroffen. Mit jedem von ihnen wurde ein Stüde /meines Lebens beigraben. Ueber die machtvolle Erscheinung Nordaus will ich jetzt nicht mehr sprechen. Der tote Nordau wird uns immer eine lebendige Macht bleiben. Nur über unseren grossen, lieben Marmorek will ich einige Worte sagen, über Marmorek, der kaum sechs Monate nach dem Tode Nordaus seinem grossen Freunde ins Grab gefolgt ist. Alexander Marmorek war eine sehr komplizierte Natur. Gleich Herzl und Nordau war er bereits vor seinem Eintritte in die (zionistische Bewegung ein Mann von Weltruf, ein Mann von erstem, wissenschaftlichem Range. Sein Kampf um seine medizinischen) Entdeckungen, sein Kampf um das Serum gegen die Tuberkulose gehören in das Gebiet des Ungewöhnlichen; es war ein heroischer Kampf, den er zeit seines Lebens trotz der grössten Hindernisse und Schwierigkeiten geführt hat. Se'in Wirken in der Medizin ist auch nicht mit seinem Tode zu Ende, es reicht weit über sein Grab hinaus. Er war nicht bloss einer der bedeutendsten Bakteriologen unserer Zeit, er war auch ein sehr grosser Arzt. Täglich, stündlich werden viele Kranke nach seiner Erfindung mit dem Antistreptokokken-Serum behandelt und geheilt. Während des Krieges stand Marmorek an Ungarn an der Spitze eines Spitales für Infektionskrankheiten, Tausenden von Menschen aller Nationen hat er das Leben gerettet oder übre Leiden gelindert. Ein tragisches Geschick hat ihn, der so emsig Krankheit und Tod bekämpfte, in der Vollkraft seines Lebens weggerafft. Marmorek war eine Ausnahmenatur, ein gottbegnadeter, flammender Geist. Seine Herzensgüte, seine Dienstbereitschaft, seine Opferfreudigkeit und selbstlose Freundschaft suchen ihresgleichen. Er war ein lauterer, ganzer Charakter, ohne Riss., hart wie Stahl, unbeugsam bis zur Starrheit und zugleich von seltener Wärme und Weichheit und einem beinahe kindlichen Gemüt. Sein inniges Freuadschaftsverhältnis zu Nordau war so rührend, dass man es mit der Freundschaft zwischen Jonathan und David vergleichen kann. * Marmorek hatte viele ergebene Freunde, aber er hatte auch viele Gegner. Ich will am offenen Grabe keine Wunden aufreissen, aber es wäre ein falsches Bild von seinem Leben, wenn man diese Tatsache verschweigen wollte. Sein Einfluss -machte sich überall geltend, seine impulsive Art konnte nicht jedem gefallen, und dies brachte ihm manche bittere Gegnerschaft ein. Aber auch Marmorek konnte ein scharfer Gegner sein. Er hat viel geliebt, aber er konnte auch ganz besonders aggressiv sein. Sie kennen seinen Standpunkt im Zionismus, seinen Kampf, sein untentwegtes Festhalten an den Herzischen Theorien; diese blieben für ihn das Fundament unserer Bewegung, an dem man nicht rütteln durfte, ohne das ganze Gebäude des modernen Zionismus in Gefahr zu bringen. Er war ein Mann, der von keinen Kompromissen 40