Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 49)
- Language
- German, English, Hebrew
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donnern. Bis zu diesem Augenblicke, da Nordau -sprach, war die jüdische Frage sozusagen eine Cbewra-Angelegenheit. Nachdem er gesprochen hatte, war sie ein Welt p -r o b 1 e m, das Nichtjuden nicht weniger angeht als die Juden. Es ist jetzt, im Jahre 1923, schon schwierig, uns mit aller Schärfe wieder in die Erinnerung zurückzurufen, wie selbst Juden unsere Frage im Jahre 1897 ansahen. Und dass dies so schwer ist, danken wir in erster Reihe Max Nordau, wie wir ihm zu danken haben für die Stellung, die wir heute einnehmen: anerkannt durch die Mächte der Welt. Erinnern Sie sich, wie es 1897 um uns aussah! Ein unorganisierter Haufe von Rechtlosen, von Gedrückten, von Schnorrern und Bettlern. Und doch — er kam zu uns, den Hilflosen und Geächteten, er, der Mann mit einem Namen, gekannt in allen Weltteilen, er kam, um mit uns und für uns zu arbeiten. Er brachte seinen Lebensruf in Gefahr, indem er ihn einer Sache zur Verfügung stellte, die wohlwollende Freunde für den Traum von Idealisten hielten, während andere — und viele Juden unter ihnen — nicht davor zurückscheuten, uns und unsere Sache in massloser Weise zu verdächtigen und anzuklagen. Angefangen von diesem Augusttag des Jahres 1897 bis zu seinem Todestag hat Nordau nie gezögert, uns sein Bestes zu geben. Mehr als er der Bewegung gab, kann kein Sterblicher geben. Das sind nicht Worte der Konvention, wie sie oft bei solchen Gelegenheiten gesprochen werden. Es ist nichts als die einfache Wahrheit. Ich will nur an eines erinnern: denken Sie daran, wie dieser Mann, der sich sein tägliches Brot durch die harte Arbeit eines Schriftstellers erwarb und in seiner ganzen Existenz von ihr abhängig war, dauernd und immer wieder aufgesucht und in Anspruch genommen wurde von Leuten, die seinen Rat und seine Ansicht in zahllosen, ja nur zu oft in den kleinsten Dingen des Alltages verlangten, immer unermüdlich und freundlich sie empfangend: Rabbiner und Geschäftsleute, Kolonisten aus Erez Israel, Journalisten, Arbeiter und die ganze mannigfaltige Mischung, aus der unser jüdisches Volk von heute sich zusammensetzt. Und dies dauerte fast ein ganzes Vierteljahrhundert. Welch selbstlose Menschlichkeit! Welche Geduld des Genies! Er, dem die Welt lauschte, achtete sich nicht für zu gross, um zu einem Minjan in Paris zu sprechen. Gibt es ein stärkeres Zeichen seiner Grösse? Ich habe von seiner ersten epochalen Kongressrede gesprochen, die eine Revolution war. Er hielt die Rede des Kongresses. Kein Kongress war vollständig ohne ihn. War jede seiner Reden besser und schöner als die vorhergehende? Ich weiss es nicht, und es ist ohne Belang. Jede Rede br.ac.hte uns ein Stück weiter, denn sie war die Frucht einer inneren Entwicklung. Unsere Lage war das Objekt der Geistesarbeit eines Meisters. Einer der Grössten aus unserer Mitte zeigte uns unser 26