Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 48)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476280--5156-3481301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe Karlsbad, Dr. Walter Kohner (deutsch): Hoher Kongress! Ich habe zum zweiten Male die Ehre, Sie im Namen der Zionistischen Ortsgruppe Karlsbad und im Namen aller Karlsbader Zio nisten auf das herzlichste willkommen zu heissen. Unsere Karlsbader Ortsgruppe verfolgt mit gespanntester Aufmerksamkeit die Beratungen des Kongresses und sie ist sich ihrer bescheidenen Aufgabe bewusst, die darin besteht, die mächtigen Energiewellen, die unsere zionistischen Tagungen, besonders die Kongresse darstellen^ durch ihre Arbeit in die kleinen Kanäle des täglichen Lebens und der täglichen zionistischen Arbeit zu leiten. Im Namen unserer Ortsgruppe wünsohe ich, dass dieser Kongress gedeihliche Arbeit leisten möge. (Beifall.) Präsident Dr. Weizmann: Ich erteile nun das Wort Herrn Joseph Co w en, der die Gedenkrede für Max Nordau halten wird. (Der Kongress hört den Eingang der Gedenkrede stehend an.) Delegierter Joseph Cowen (Canada, spricht deutsch): Geehrter Kongress! Niemand kann mehr als ich die Unzulänglichkeit fühlen, von dieser Stelle aus, von dieser Tribüne, von der zuerst Max Nordaus Ruf an uns und die Welt erging, unseren Gefühlen um Max Nordau Ausdruck zu geben. Nicht aus falscher Bescheidenheit sage ich das. Der einzige Anspruch, den ich darauf erheben kann, in Ihrem Namen heute Nordaus zu gedenken, ist, dass niemand, niemand tiefer als ich unsern Verlust empfindet. Und dies, obwohl wir in so vielen Dingen verschieden waren. Aber vielleicht mag ich gerade um dieser Verschiedenheit willen in der Lage sein, bei dieser Gelegenheit in schlichter Weise für unsere Schätzung des Menschen Nordau den Ausdruck zu finden. Ich weiss, damit ist einem der schlechtesten Kongressredner die Aufgabe zugefallen, von dem grössten Kongressredner zu sprechen — dem grössten, denn Nordau war als Kongressredner grösser als Theodor H e r z 1, er, der grosse jüdische Tribun. Niemals werde ich oder wird irgend jemand, der das Glück hatte, dem ersten Zionistenkongress beizuwohnen, das Erscheinen und die Erscheinung Nordaus auf unserem ersten Baseler Kongress aus der Seele verlieren. Da stand vor uns ein Mann von anerkanntem Weltruf — mit Ausnahme Israel Zangwills vielleicht die einzige Persönlichkeit des ersten Kongresses, die ausserhalb jüdischer Kreise überhaupt bekannt war, — ein Mann, von dem nur ganz wenige wussten, dass er ein Jude war. Und dieser Mann betrat die zionistische Plattform, nicht nur, um sich selbst als Zionisten zu bekennen, sondern um der Welt mit der Stimmkraft eines Löwen, deren Hall noch heute in meinen Ohren tönt, das ganze tragische Schicksal der Juden, die Judenfrage, die Judennot und die Forderung nach ihrer Lösung entgegenzu- 25