Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 13 (1924) Karlsbad, 6. bis 18. August 1923
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 38)
- Language
- German, English, Hebrew
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jetzt der Zionismus das Hauptziel der Angriffe geworden ist, wundert uns gar nicht. Ist doch der Zionismus die markanteste Erscheinung des jüdischen Lebens; wie -sollte ihn der Antisemitismus nicht verleumden und verunglimpfen? Dass der Neid und die Missgunst nicht schon früher zum Ausdrucke gekommen sind, das hat seinen Grund auch in dem Umstände, dass das Jüdische Nationaiieim früher ein kaum fassbares Objekt, ein abstrakter Begriff, der Nachklang eines alten Mythus zu sein schien. Als das Abstrakte in Sinnfälliges, Greifbares, Plastisches .umgesetzt zu werden begann, als es eine Realität wurde, da änderte sich die ganze Art der Behandlung dieser Frage und an Stelle der grossen Gesichtspunkte der Humanität, der Geschichte, der nationalen Gerechtigkeit traten kleine, angeblich praktische, im Grande jedoch sehr unpraktische und kurzsichtige Erwägungen, die den Blick trüben und den Menschen die Fähigkeit rauben, grosse Dinge gross zu sehen. So geschah es, dass die welthistorische Balfour-Deklaration in die Wahlkampagne hineingezerrt wurde, matten in die inneren Spannungen, Parteikämpfe, Stimmungsmache, Reklame, Polemik und Sensation, und dass in manchen Kreisen die grosse sittliche Autorität dieser internationalen Entscheidung der Zugkraft des opportunistischen Schlagwortes der Oekonomie zu widerstehen grosse Not hatte. Das Gemeine 'heftete sich dem Grossen, das Momentane dem Ewigen an die Sohle und zog es hinter sich in den Schmutz. Aber trotz vorübergehender Irrungen und Wirrungen, trotz gelegentlicher Missverständnisse und Verstimmungen zweifelten wir auch nicht einen Augenblick an dem Gerechtigkeitssinn des englischen Volkes und der englischen Presse. Wir sagten uns: diese Etappen müssen durchgemacht werden, schwere Kämpfe wird es allerdings noch kosten und wir müssen einen klaren Blick für die lauernden Gefahren behalten. Ohne Kampf kein Sieg. Die neue politische Einrichtung, das nationale Hehn für das jüdische Volk in Palästina >muss seinen Platz und seine Daseinsberechtigung in Ruhe und durch Arbeit erkämpfen. Wir wissen uns im Dienste der Sache des Friedens und der Ordnung, und die Erfahrung wird die wahre Gesinnung unseres Volkes an den Tag legen. Es ist für uns ein aufrichtendes Bewusstsein, dass in letzter Zeit in der grossen Presse Englands mächtige Stimmen zugunsten unserer gerechten Sache sich erhoben haben. Wir fühlen uns erhoben und begeistert durch die Erklärungen Lord. M i 1 n e r s* und durch den Aufsatz, den Lloyd George letztens in der Presse veröffentlichen Hess. Sie haben mit lautem Worte gemahnt, gewarnt, wenn giftige Zungen bösen H-ass geschürt; wenn sie die öffentliche Meinung von Lügennachrichten umgarnt sahen, erhoben sie ihre Stimme &ur Verteidigung der Gerechtigkeit und Wahrheit. Mit wahrer Be ruhig u n g haben wir aus dem Munde der 15