Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 738 (sequence 748)
- Language
- German, English, Hebrew
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jetzigen Wanderung müssen wir uns neue Tafeln geben, auf denen ein neues Lebensideal geschrieben steht. Und nur dann wird das Volk den Führern folgen. Im Kampfe mit Amalek stand Moses auf dem Berge und stützte seine Hände auf Aron und Chur. Aron ist das Symbol des Priestertums, Chur das der Kunst und des Gewerbes. In unserem jetzigen Kampfe müssen sich unsere Führer ebenfalls auf die Thora und auf die Arbeit stützen; dann ist unser Sieg sicher. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Präsident Sokolow: Das Wort hat Dr. Lewin. Delegierter Dr. Schmarjahu Lewin (Amerika, mit lebhaftem, langanhaltenden Beifall und Händeklatschen begrüßt, jüdisch): Hoher Kongreß! Nach Bialik habe ich nichts zu sagen. Bialik hat Ihnen eigentlich Moral gepredigt. Ich werde Ihnen auch etwas Moral predigen. Ich halte dafür, daß der Zustand in unserer Partei ein krankhafter ist: wir haben zu viel Generäle und zu wenig Soldaten. Wir müssen alle die einfache Arbeit leisten und dadurch dem Volke helfen. Es ist eine Zeit gekommen, wo man sich nicht mehr in sein Zimmer einschließen kann, sondern in das Volk hinausgehen und mit ihm alle Pläne besprechen muß. Wir haben einen Kongreß und besprechen auf ihm alles Mögliche. Nur eine Sache haben wir wenig besprochen. Wir haben nicht besprochen, oder nur sehr wenig davon gesprochen, wie man zum jüdischen Volke kommen soll. Wir müssen für unsere Arbeit ein System ausarbeiten. Niemand von Ihnen soll glauben, daß wir Palästina mit Wundern bauen werden. Das Wunder besteht in der Regeneration. Ein Volk besteht nicht nur aus Lehrstühlen, sondern auch aus Friedhöfen. Glauben Sie nicht, daß wir Palästina in fünf Jahren aufbauen können. Wir müssen zuerst unsere Verbindung mit dem Volke knüpfen und das können wir nur durch seelische Beziehungen erreichen. Wir müssen die jüdischen Dichter und Künstler an uns heranziehen, denn sie werden den Weg zum Volke finden. Wir haben bis jetzt nichts getan, um diese großen jüdischen Geister an uns zu ziehen. Und sie sind nicht zu uns gekommen. So darf es nicht weiter fortgehen. Ich bitte Sie, seien Sie in diesem Momente aufrichtig und ernst. Konzentrieren Sie alle Kräfte, damit unsere Arbeit fruchtbar sei. Glauben Sie nicht, daß die Exekutive große Dinge tun wird. Große Dinge kann nur ein Volk leisten. Ich schließe mit der Hoffnung, daß das Volk kommen und das jüdische Land aufbauen wird. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Präsident Sokolow: David Yeliin hat das Wort. Delegierter David Yeliin (Palästina, hebräisch): Acht Jahre hat das Volk gewartet, bis dieser Tag gekommen ist, wo seine Vertreter aus allen Ländern der Welt hier sich versammelt haben. Acht Jahre stehen zwischen uns und dem letzten Kongreß. Wir haben gewartet, bis wir uns hier versammeln, um zu beraten, wie wir das große Werk vollbringen. Alle haben unser Recht anerkannt, wir müssen dagegen unsere Pflicht erfüllen. Vor vierzig Jahren waren die ersten Pioniere die jungen Studenten, die nach Palästina gekommen sind und den Grund zum Aufbau gelegt haben. Nach ihnen sind auch 738