Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 737 (sequence 747)
- Language
- German, English, Hebrew
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Land verlangen. Unser einziges Dokument auf Palästina ist die Thora. Wäre nicht das fromme Judentum, wer weiß, ob Sie überhaupt soweit gekommen wären, ob Sie gerade Palästina gewählt hätten und ob Sie gerade in Palästina die Rettung Ihrer Seele und der Seele des ganzen Volkes gesucht hätten. Das Zentrum aber, diejenigen, die auf beiden Stühlen sitzen, die das eine zwar tun, aber auch das andere nicht lassen möchten, die sich als gute Rechenmeister betrachten und Palästina nur nach kühlen Berechnungen bauen wollen, frage ich: wo wart ihr mit euren Rechenkünsten vor zwanzig Jahren? Habt ihr damals nicht berechnet, was euch die Galuth jährlich kostet, was euch die Ansiedlungs- und Uebersiedlungsschwierigkeiten kosten? Hättet ihr vor zwanzig Jahren berechnet, was der Krieg und die Revolution gekostet hat — ihr hättet euer Vermögen nach Palästina gerettet und wäret nicht gezwungen, Delegationen nach Amerika zu schicken, um dort bei den reichen Juden zu betteln. Aber nicht mit Geld werden wir Palästina bauen, wie wir es auch nicht mit dem Schwert bauen werden. Genau so wie beim Bau des Tempels der Klang des Eisens nicht ertönen durfte, weil Eisen Vernichtung bringt, während der Tempel Frieden stiften soll — genau so sollten wir bei dem Bau Palästinas nicht den Klang des Silbers vernehmen. Weder der Klang des Eisens noch der Klang des Silbers — der Klang des Arbeiterliedes wird Palästina aufbauen. (Stürmischer Beifall.) Ihr gebt den Arbeitern nur Geld, aber sie geben euch eure Ehre. Sie waschen die Schande des Parasitentums von euch ab und machen euch wieder zu einem Volke der Arbeit, das auf seine eigene Kraft vertrauen kann. Und nun möchte ich ein paar Worte unseren Führern widmen. Wir haben sie gewählt und haben ihnen unser Vertrauen ausgesprochen. Wir müssen sie aber bitten, daß sie genau so wie das Volk zu ihnen Vertrauen hat, auch zum Volke Vertrauen haben. Das Volk wird sie nicht im Stiche lassen. In der Stunde der Not mögen sie sich an das Volk wenden, das sich hinter sie stellen wird. Das wird aber nur dann geschehen, wenn wir dem Volke ein neues Ideal geben werden, wenn wir nicht bloß schlechte Nachahmer von kleinen Völkern sein werden. Das Fundament unserer Wiedergeburt muß ein hohes Ideal werden, eine bessere Lebensform als die, in der sich unser Volk befindet. Wenn wir uns aber nicht von diesem hohen Ideal leiten lassen werden, wird Gott nicht in unserer Mitte weilen. Bei dem Auszuge aus Aegypten, in der Wüste, auf dem Wege nach Palästina, gingen die Priester voran, das Volk folgte ihnen in Stämme geteilt, jedoch von einem Führer geführt. In der Mitte aber über allen erhob sich die Bundeslade, in der sich die Tafeln des Gesetzes befanden. Auf unserer 47 737