Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 652 (sequence 662)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4952-3481096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Delegierter H. Struck: Geehrter Kongreß! In schmerzlicher Stunde mußte ich heute namens meiner Fraktion eine Erklärung abgeben. (Lebhafte Zwischenrufe.) Meine Herren, dadurch, daß Sie die Verhandlungen stören, beweisen Sie keineswegs einen hohen Grad politischer Reife. Das habe ich Ihnen auch schon öfter gesagt. Lassen Sie mich aussprechen. (Lebhafte Zwischenrufe.) Ich glaube, daß meine Chawerim heute ein Bild musterhafter Ordnung gegeben haben. (Lärmender Widerspruch.) Wenn ich das gesagt habe, so berufe ich mich dabei auf das Zeugnis des Gesinnungsgenossen Locker, der mir gegenüber das heute ausgesprochen hat. Die Vorgänge des heutigen Vormittags hatten uns die Befürchtung nahegelegt, daß unsere Bemühungen, immer weitere Kreise des religiösen Judentums dem zionistischen Gedanken zu gewinnen, eine ernstliche Hemmung erfahren würden. Durch die Entschließung, die der Kongreß soeben angenommen hat, sind diese Befürchtungen im Wesentlichen hinfällig geworden, denn wir erwarten, daß die Leitung die Gewissensfreiheit, die sie durch den Mund ihres Präsidenten, der linken Seite dieses Hauses verbürgt hat, auch der Gesamtheit des jüdischen Volkes gewähren wird. Wir erwarten, daß die Leitung durch die Tat beweisen wird, daß sie ernstlich gewillt ist, die Entwicklung eines wahrhaft jüdischen Lebens herbeizuführen. Solche Taten werden mehr als alle Versicherungen dazu beitragen, die Scharen der religiösen Massen in unsere Reihen zu führen. Mit ihnen allen gemeinsam wollen wir uns freudig der Arbeit für die zionistischen Ziele widmen, damit auf uraltem Boden ein wahrhaft freies, aber auch wahrhaft jüdisches Volksleben entsteht. Vizepräsident Lipsky: Das Wort hat Herr Prof. War bürg für die Palästinakommission. Mitglied des A.C. Prof. Warburg (deutsch): Geehrter Kongreß! Nachdem sich die hochgehenden Wellen der Erregung — wie es scheint — jetzt beruhigt haben, glaube ich, daß unser Schiff nunmehr für eine Zeit lang in ein ruhiges Fahrwasser gelangen wird. Ich habe zu referieren über die Arbeit der Palästinakommission. Diese Kommission hat sich in 4 Unterkommissionen gegliedert: in die Kolonisations-, Emigrations-, Kultur- und Sanitätskommission. Diese 4 Kommissionen haben aber solange gearbeitet, daß es nicht möglich war, sie wieder zu einer großen Kommission zu vereinigen, und wir haben deshalb beschlossen, daß jede dieser Kommissionen für sich referiert und zwar wird: Dr. Ruf eisen für die Kolonisationskommission, Dr. Korngrün für die Emigrationskommission, Dr. M o s s i n s o h n für die Kulturkommission und Dr. B i e r e r für die Sanitätskommission referieren. Zum Schlüsse hat sich dann noch eine andere Kommission angegliedert, die Nationalfond-Kommission, die bei uns Unterkunft suchte und mich ersucht hat, für sie zu referieren. Ich tue dies unter dem Vorbehalte, daß ich als Referent für den J. N. F. nicht alle Resolutionen hier vertreten kann, aber ich stimme mit den meisten überein. Ich komme jetzt zu den Resolutionen, die von der Subkommission für den J. N. F. einstimmig angenommen wurden: 1. „Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalionds ist so rasch als möglich nach Erez Israel zu verlegen." 652