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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 647

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 647 (sequence 657)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4947-3481091
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er sich ausdrücken möchte. Meine Herren, wenn es sich heute tatsächlich um den Kampf zweier Weltanschauungen gehandelt hätte, glauben Sie mir, ich hätte es nicht versucht, zu vermitteln. Kämpfe müssen ausgetragen werden. Aber daß der Zionismus, die Zukunft des jüdischen Volkes, die nächste Zukunft vielleicht, einen Schaden erleide wegen eines Mißverständnisses, das nicht aufgeklärt werden kann, das meine ich, dürfen wir nicht dulden. Ich habe heute gegen den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung gestimmt, weil ich der Ansicht bin, daß man beiden Teilen Gelegenheit geben muß, eigentlich zu wissen, um was es sich handelt. Es handelt sich darum, daß in den Institutionen, die von der Zionistischen Organisation in Erez Israel erhalten, gegründet oder subventioniert werden, der jüdischen Tradition Rechnung getragen wird, selbstverständlicherweise, ohne im entferntesten die Freiheit oles Einzelnen anzutasten. Und ich sage es vor allem meinen Freunden von links: Sie mögen andere Ansichten über das Judentum haben, als sie die jüdische Tradition hat, Sie mögen denken, es wird sich in Palästina ein anderes Leben entwickeln, aber stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen in das Haus eines Mannes, der eine bestimmte Richtung und bestimmte Bräuche hat. Sie mögen diese Bräuche für gut oder weniger gut finden, aber den Respekt werden Sie doch vor dem Hausherrn haben, daß Sie bei ihm diese Bräuche nicht verletzen. Wie Ihre Auffassung vom Judentum ist, das ist Ihre Sache. Wie das Judentum in Jahrhunderten sich entwickeln wird, wollen wir jetzt nicht beurteilen. Das eine steht fest: Seit Jahrtausenden hat der Hausherr gewisse Bräuche. Ein jeder von uns, so unabhängig er sein mag, muß sich in gewisse Bräuche der Gesellschaft fügen. Sie kommen in ein Land, das seit Jahrtausenden gewisse Sitten ausgebildet hat und wir dürfen es ruhig sagen, als Historiker dürfen wir es sagen, ganz unabhängig von jedem Parteistandpunkt, daß es zumindest in den Jahrtausenden unseres Exils diese Bräuche waren, die uns das Vaterland ersetzt haben. Sie wissen sehr wohl: wir haben das Vaterland noch nicht, wir brauchen die Bräuche, um uns unser Vaterland zu schaffen und zu erhalten. Ich glaube nicht, daß jemand von Ihnen seinem Gewissen Gewalt antun wird, wenn er in einer Gemeinschaft lebt, die ihm seine persönliche Freiheit läßt, aber die in ihren öffentlichen Handlungen den Wegen folgt, die ja schließlich und endlich seit Jahrtausenden die Wege unseres Volkes sind und immerhin die Seele unseres Volkes gebildet haben. Ich sagte es Ihnen, meine Damen und Herren, ich glaube, daß ich das Recht habe, eben, weil ich für mich persönlich keinen Zwang anerkennen würde, weil ich aber meine persönliche Unabhängigkeit zu scheiden weiß von dem, was ich den Sitten und Bräuchen des Landes und Volkes, meines Landes und meines Volkes schulde, weil ich weiß, daß dadurch die Freiheit meines Inneren nicht im geringsten berührt wird, vor Sie mit folgendem Kompromißantrage zu treten, für dessen Form ich übrigens nicht verantwortlich bin (liest): „In den öffentlichen Handlungen der von der Zionistischen Organisation gegründeten, erhaltenen und subventionierten Institutionen darf nichts geschehen, was gegen die jüdische Tradition verstößt. Die Leitung der Zionistischen Organisation hat die Durchführung dieses Beschlusses zu sichern." Ich betone: „In den öffentlichen Handlungen". Hier in dieser Fassung ist nicht die Rede von einem Eingriff in die persönliche Freiheit der einzelnen Personen. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Weizmann (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Ich will den Kongreß nicht mit Reden aufhalten. Es liegt uns allen daran, so schnell als möglich zur Erledigung der weiteren Arbeit zu 647

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