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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 616

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 616 (sequence 626)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Mitglied der Exekutive Josef Cowen (englisch): Herr Präsident! Hoher Kongreß! Mit diesem Antrag, den Sie, meine Herren vom Misrachi stellen, erwecken Sie den Eindruck, als wenn unter uns Juden die Absicht bestünde, etwas gegen die Religion zu tun. Ich sage in Ihrem Interesse und im Interesse der jüdischen Religion: es ist in unserer aller Interesse, diese Dinge zu schützen. Zwingen Sie deshalb nicht solche, die anderer Meinung sind als Sie, wie die drüben, daß sie dazu gelangen, Demonstrationen zu machen, die nicht in unserem Interesse liegen. Deshalb empfehle ich Ihnen, diese Resolution aus Gründen des politischen Taktes zurückzuziehen und sicher zu sein, daß nichts geschehen wird, was gegen die jüdische Religion verstößt. Vizepräsident Dr. Klumel: Es liegt ein Antrag vor, über den Antrag des Misrachi zur Tagesordnung überzugehen. (Zustimmung und Widerspruch. — Großer Lärm.) Meine Herren vom Misrachi, Sie gehen immer mit gutem Beispiel voran, tun Sie es auch jetzt! Ich will bemerken, daß ich den Antrag noch gar nicht zuende gelesen habe. Ich bitte also um vollständige Ruhe, damit man den ganzen Antrag durchgeht. Der Schlußsatz des Antrages des Misrachi lautet (liest): „Die Leitung der Zionistischen Organisation hat die Durchführung dieses Beschlusses zu sichern." Es liegt ein Antrag vor, daß wir über den Antrag des Misrachi zur Tagesordnung übergehen. Dann liegt ein ähnlicher Antrag, aber nicht im Namen des Misrachi, sondern der AllgemeinenZionisten vor. Der Antrag lautet (liest): „In allen öffentlichen Institutionen, welche von der Zionistischen Organisation erhalten werden, muß durch Berücksichtigung der jüdischen Tradition im öffentlichen Leben die Zugänglichkeit für alle Volkskreise gewährleistet werden." Diesen Antrag habe ich vom Obmanne des Permanenzausschusses, Herrn Dr. Soloweitschik bekommen, aber nicht als offiziellen Antrag. Ueberdies haben wir einen dritten Antrag, der dahin lautet, daß wir überbeideAnträgezurTagesordnung übergehen. Das Wort zur Begründung dieses Antrages hat Herr S p r i n z a k. Delegierter Josef Sprinzak (Hitachduth, Palästina, hebräisch): Der Kongreß darf nicht verlangen, daß über die Haltung der Arbeiter in Palästina eine Kontrollstelle eingesetzt wird, die auf die Einhaltung von Kaschruth zu sehen hat. Ich empfehle, den Antrag des Misrachi abzulehnen. Delegierter Dr. Braude (Polen, deutsch): Um Mißverständnisse zu vermeiden, muß ich von vornherein erklären, daß ich kein Anhänger der Resolution bin, die seitens des Misrachi eingebracht worden ist. Aber ich glaube, daß es seitens des Kongresses eine gefährliche Demonstration wäre, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen, nachdem er nun einmal eingebracht worden ist. Der Misrachi repräsentiert gegenüber der Zionistischen Organisation eine breite Schicht des jüdischen Volkes und es ist seine Sache, zu entscheiden, welche Resolutionen er vor den Kongreß bringen will und welche nicht. Niemand hat das Recht, es dem Misrachi zu verbieten, seine Stimme auf dem Kongreß zu erheben. (Beifall und Zwischenrufe.) Meine Herren! Erwecken Sie nicht irgendwo in der Welt den Anschein, als wenn auf unserem Kongreß und innerhalb der Zionistischen Organisation für religiöse Strömungen kein Platz wäre. (Große Unruhe.) Sie können den Antrag annehmen oder ablehnen, aber sprechen müssen wir darüber. 616

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