Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 617 (sequence 627)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4917-3481061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vizepräsident Dr. Klumel: Ich stelle den Antrag zur Abstimmung und bitte die Ordner, ganz genau die Stimmen zu zählen. Wer ist für den Antrag, daß wir über die beiden Anträge, sowohl den des Misrachi als den des Herrn Soloweitschik zur Tagesordnung übergehen? (Delegierter Dr. Löwenherz: Ich bitte über die beiden Anträge gesondert abzustimmen! — Auszählung.) Wer ist gegen diesen Antrag? (Nach Auszählung:) Das Resultat der Abstimmung ist: 112 für den Antrag und 119 gegen den Antrag. (Beifall und ungeheurer Lärm.) Das Wort zu einer Erklärung hat Herr Goldenberg. Delegierter S. Goldenberg (Rußland, jüdisch): Es ist ein Irrtum unterlaufen. Der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung bezog sich nur auf den Antrag des Misrachi. Wir, die wir für den Antrag Soloweitschik sind, konnten, da über beide Anträge zusammen abgestimmt wurde, eigentlich gar nicht stimmen. Ich beantrage daher getrennte Abstimmung. (Unruhe.) Vizepräsident Dr. Klumel: Meine Herren von der Rechten und von der Linken! Ich will hier nur die kurze Erklärung abgeben: Wir stehen jetzt vor einer sehr wichtigen Frage. Eine solche Frage wird weder durch Geschrei, noch durch Tumult, sondern nur durch Abstimmung und eigentlich auch nicht einmal durch Abstimmung erledigt. Die Abstimmung darüber ist schon vor viertausend Jahren gemacht worden. Da aber ein solcher Antrag einmal gestellt ist, wollen wir alle vollkommene Ruhe bewahren. Ich will dabei bemerken, daß ich einen Fehler gemacht habe. Der Antrag lautete nicht, daß man über beide Anträge zur Tagesordnung übergehen soll, sondern daß man zuerst über den Antrag des Misrachi zur Tagesordnung übergehen und dann den Antrag Soloweitschik zur Abstimmung bringen soll. (Lebhafte Zwischenrufe.) Delegierter Dr. Braude: Geehrter Kongreß! Ueber die Frage der Religion kann auf dem Kongreß nicht gesprochen werden. In diesem Sinne hat vielleicht der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung über beide Anträge eine Berechtigung gehabt. Das würde heißen, der Kongreß erklärt, daß er diese Frage nicht in den Kreis seiner Erörterungen einbezieht. Aber das, was man jetzt verlangt, daß man über den Antrag des Misrachi zur Tagesordnung übergeht, dagegen den Antrag Soloweitschik materiell verhandelt, ist eine Vergewaltigung einer Richtung, welche innerhalb unserer Organisation allenfalls das Recht hat, zu sprechen. Vizepräsident Dr. Klumel: Wir treten in die Abstimmung ein. Die Abstimmung und die Zählung wird reihenweise erfolgen. Ich bitte nun diejenigen Delegierten, die dafür sind, daß über die Resolution des Misrachi zur Tagesordnung übergegangen werde, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte nun, reihenweise zu zählen. (Nach Auszählung:) Wer gegen den Antrag ist, der möge die Hand erheben. (Nach erfolgter Auszählung:) 148 für, 122 gegen den Uebergang zur Tagesordnung. (Großer Lärm. — Der Vorsitzende mahnt wiederholt zur Ruhe.) Delegierter H. Struck (Misrachi, deutsch): Meine Herren! Eine solche Frage wird nicht durch die Kraft der Lungen entschieden. Merken Sie sich das auf allen Seiten. Ich bezweifle hiermit die Richtigkeit der eben vollzogenen Abstimmung und beantrage dienamentliche Abstimmung. (Deleg. Dr. Braude: 617