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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 612

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 612 (sequence 622)
Language
German, English, Hebrew
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stehenden Schulen, Wohnungen und Lehrer festgesetzt. Man hat zwar die Arbeit unter den Arbeitern vorausgesehen, aber das Budget enthält darüber nichts. Die Arbeiterorganisation hat für die Arbeiter hebräische Kurse, Bibliotheken eingerichtet, und wir müssen ihnen bei der Fortsetzung dieser Arbeit helfen. Außer der Arbeit unter den Arbeitern ist noch unter anderen Schichten Arbeit zu leisten. Auch der alte Jischuw kommt ganz langsam zur hebräischen Sprache und dadurch zu einem ganz anderen Leben und wir müssen uns bemühen, ihm bei seiner Arbeit zu helfen. Wir fordern für diese Arbeit 6000 Pfund. Ich will noch einen Punkt berühren, über den jetzt viel gesprochen wird. Das ist der handwerkliche Unterricht in den Schulen. Man muß diese Arbeit machen. Wir können jetzt vielleicht nicht alles tun, aber den Anfang können wir machen. Ich schlage vor, 2000 Pfund für diesen Zweck festzusetzen. Wir sind der Ansicht, daß man 10 000 Pfund dafür anlegen müßte, verschiedene Utensilien anzuschaffen. Aber wir wagten es nicht, diese Summe zu fordern, wir verlangen nur nochvlOOO Pfund. Wir haben nur noch eine kleine Forderung, die aber sehr wichtig ist. Wir fordern 600 Pfund für eine Lehrerinnenschule für Orthodoxe. Wenn wir einen Versuch gemacht haben, eine Schule für orthodoxe Lehrer zu gründen, muß umso eher eine Schule für Lehrerinnen gegründet werden. Es ist eine wichtige Frage für einen Teil des Jischuw, und wir haben nicht das Recht, die Entwicklung dieses Teiles zu hemmen. Und nun zur Lehrerfrage. Ich habe mich schon am Freitag bemüht, die Lage der Lehrer zu schildern. Ich muß offen sagen, daß, wenn nicht Ussischkin an der Spitze des Waad Hazirim gestanden hätte, viele Schulen aufgelöst worden wären. Viele Lehrer wollten die Schulen verlassen. Ich aber bin dafür eingetreten und habe gesagt, daß nur der Kongreß diese Frage lösen kann. Wir kommen also zum Kongreß und verlangen von ihm, daß er diese Frage mit dem gebührenden Ernst behandelt. Die Lehrer leben in schrecklichen Verhältnissen. Ein akademisch gebildeter Lehrer bekommt 15 Pfund monatlich. Davon kann er unmöglich leben. Außerdem sind die Gehälter im Verhältnis zu denen der Beamten sehr ungleichmäßig. Ich habe den Londoner Bericht gelesen und darin gefunden, daß Beamte auf einer untergeordneten Stufe 80 Pfund bekommen. Es handelt sich um das Fortbestehen der Schulen. Wenn die Jugend sehen wird, daß sie überall besser fortkommt als im Lehrberuf, wird sie diesen Beruf nicht wählen. Ich habe mich bemüht, in Europa Lehrer zu finden. Es ist unmöglich. Es wird dazu kommen, daß nur die, die sich zu keinem anderen Beruf eignen, Lehrer werden. Wir wollen nicht viel, wir wollen nur 15 Prozent Zulage. Ich verlange, daß der Kongreß diese Zulage bewilligt. Man sagt, daß man eine besondere Tarbuth-Gesellschaft gründen soll, die die Arbeit unterstützen soll. Man muß vor allem den Boden dafür vorbereiten. Ich warne vor einer äußeren und inneren Zerstörung. Solange die Zionistische Organisation die Arbeit leiten wird, wird sie Herr im Hause sein. Sobald wir diese Arbeit einer Gesellschaft überlassen, fürchte ich, daß sich dieselben Verhältnisse entwickeln, wie seinerzeit mit dem Hilfsverein. Ueberlegen Sie, worüber Sie beschließen. Wenn Sie zum jüdischen Volk kommen und zeigen werden, was Sie geleistet haben, wird es der Sache nur förderlich sein. Vizepräsident Dr. Klumel (den Vorsitz übernehmend): Hoher Kongreß! Wir haben alle mit größter Aufmerksamkeit die Rede des Herrn Dr. Mossinson angehört. Es interessierte uns außerordentlich, daß diese Frage so ausführlich behandelt wurde. Andererseits, wenn wir den Kongreß mit solchen langen Reden fortsetzen, werden die Reden nicht mehr helfen, dann werden wir keinen Kongreß mehr haben. Wir sehen heute schon, daß ein großer Teil der Delegierten den Kongreß verlassen hat, es werden immer weniger. Wir können also die Dis- 612

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