Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 603 (sequence 613)
- Language
- German, English, Hebrew
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gangene Jahr betrug 22 000 Pfund pro Monat, und schon die Aufbringung dieses Budgets verursachte mir mehr Mühe und Sorgen, als ich sagen kann. Es liegen Ihnen aber nunmehr neue Vorschläge vor, bei denen es sich nicht um 22 000 Pfund monatlich, sondern um etwa 60 000 Pfund pro Monat handelt. Ich würde Ihnen raten, diesen Vorschlägen nicht zuzustimmen, wenn Sie nicht bereit sind, sie auch auszuführen. Seien wir doch Ehrenmänner! Bürdet der neuen Exekutive nicht eine derartige Last auf, die binnen wenigen Monaten zum Zusammenbruch unserer ganzen Organisation führen müßte. Seid klar und ehrlich! Ich werde nichts erzählen, das nicht den Tatsachen entspricht, aber mit diesen Tatsachen müssen Sie unbedingt vertraut gemacht werden. Die gestellten Anträge bedingen ein monatliches Budget von 50 000—60 000 Pfund für laufende Ausgaben; außerdem ist eine bedeutende Summe an Schulden abzutragen. Einzelheiten in Bezug auf diese Schulden sind im Bericht enthalten. Gestatten Sie mir nun einige Worte über die Erfahrung, die ich gemacht habe: erstens hat die vorige Jahreskönferenz das Datum für den finanziellen Jahresabschluß festgesetzt, und zwar soll dieser Abschluß Ende Tischri gemacht werden, da diese Zeit mit dem jüdischen Neujahr zusammenfällt. Ob nun Tischri oder Tamus oder Adar oder ein sonstiger Monat, jeder Monat hat seine schönen Seiten, ich muß Sie jedoch um eines bitten: um Himmels Willen, seid keine Theoretiker. Der Kongreß dürfte, wenn er wieder abgehalten wird, meistens in den Monaten August oder September stattfinden. Bestehen Sie darauf, daß das Jahr mit dem Monat Tischri abgeschlossen wird, so werden dem Kongreß stets Berichte und Abrechnungen vorliegen, die schon ein Jahr alt sind. Bestimmen Sie den Monat Nissan für den Jahresabschluß, wenn Sie wollen, nicht aber einen Monat, der zur Folge hätte, daß die Abrechnungen schon ein Jahr alt sein würden. Sie sollten über die Gelder auf dem Laufenden gehalten sein; wenn Sie diese Orientierung aber mutwillig hinausschieben, dann geht Ihnen jede finanzielle Kontrolle verloren. Dies ist ein Punkt, der mir im Laufe meiner Schatzmeisterschaft eingefallen ist. Es gibt noch einen weiteren Punkt: soll eine Finanzwirtschaft zweckmäßig sein, so muß sie einem Departement, — und nur einem — unterstehen. Sie könnte natürlich auch dem Landwirtschaftlichen Departement, dem Kolonisations-Departement oder dem Erziehungs-Departement unterworfen sein, oder irgend einem Departement; haben Sie aber ein Finanz- Departement, so sollte ich meinen, daß die Leitung der Finanzen diesem zufiele. Verwaltet die Finanz-Abteilung die Gelder, so kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, daß es weit mehr als irgend eine andere Abteilung dem von außen geübten Druck ausgesetzt ist, denn eine jede der anderen Abteilungen kommt und erklärt, „wenn wir nicht sofort die und die Summe erhalten, wird alles ins Schwanken geraten, und unsere Palästinaarbeit vernichtet werden und wir werden nicht in der Lage sein, auch nur eine Minute länger in Palästina zu arbeiten." Dies wird mir in jeder Minute des Tages, und jeden Tag in der Woche von jedem 603