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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 566

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 566 (sequence 576)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4866-3481010
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Delegierter Dr. Leo Wilensky (Rußland, deutsch): Geehrter Kongreß! Herr Simon hat gemeint, der Keren Hajessod sei ein nebelhaftes Gebilde. Dies ist vielleicht zum Teil wahr, weil der Keren Hajessod so hoch liegt, so hoch am Himmel, daß er manchem auch umnebelt erscheint. Wenn man aber die Sache mit klarem Auge ansieht, wird man finden, daß das ein ganz klares Gebilde ist, das man klar fassen kann. Es ist wirklich auf der Londoner Konferenz ein Wunder geschehen, daß dort in dem großen Wirrwarr ein solches Gebilde überhaupt zustande kam. Das ganze Gebilde des Keren Hajessod ist ein Wunder, ein „ness min haschamajim". Es ist etwas geschaffen worden, das nicht denjenigen Verhältnissen entspricht, die wir sonst in der Welt kennen. Es ist etwas Außerordentliches. Aber weil es außerordentlich ist, müssen wir mit größerem Ernst und viel größerer Achtung uns zu dieser Sache verhalten. Was wir da geschaffen haben, verstehen wir erst jetzt so recht, nachdem wir gearbeitet und gesehen haben, welchen Anklang die Sache gefunden hat. Herr Dr. Rappaport glaubte, der Keren Hajessod habe keinen Anklang gefunden. Meine Herren! Sie kennen die Geschichte von den zwei Juden, die aus Wilna gekommen sind. Der eine sagte: in Wilna spielt man Karten. Der andere sagte: in Wilna lernt man Talmud. Ich weiß nicht, aus welchen Kreisen Herr Dr. Rappaport kommt. Ich habe gesehen, welchen Anklang der Keren Hajessod im jüdischen Volke dort gefunden hat. Juden aus dem Volke, die im Schweiße ihres Angesichtes durch schwere Arbeit ihr Geld verdienen, gehen hin und opfern für den Keren Hajessod. Allerdings muß ich sagen, auch die Reichengeben, obwohl sie nicht wollen; aber sie geben doch. Nur sind sie nicht gewohnt zu geben, wir müssen sie dazu erziehen. Das schlimmste ist, daß unsere reichen Zionisten nicht geben wollen. (Zustimmung.) In dieser Beziehung finde ich die Resolution, die hier von der Kommission vorgeschlagen wird, zu milde. „Wir appelieren an die Exekutive, sie soll Maßnahmen treffen usw." Meine Herren! Der Kongreß muß die strengsten Strafen gegen diejenigen Zionisten proklamieren, die nicht für den Keren Hajessod geben wollen und dadurch die Sache stören. Der Keren Hajessod ist wirklich ein großes Gebiet, es ist ein demokratisches Gebiet, das Gebiet eines Staatsschatzes, der jetzt entstehen soll, ehe wir noch ein Volk in unserem Staate geworden sind. Wenn wir von einem solchen Standpunkt ausgehen, werden wir die Schwierigkeiten begreifen, die mit den Investments und mit den laufenden Ausgaben zusammenhängen. Herr Simon, erzählen Sie mir von den reichen Juden, Zionisten, die für Investments etwas gegeben haben! Sie haben nichts gegeben und wir wollen aus diesem Staatsschatze auf Grund des Keren Hajessod die Bedingungen in Palästina schaffen, unter welchen nicht nur Zionisten, sondern auch Nichtzionisten und Antizionisten hinkommen und ihr Geld anlegen! Täuschen wir uns nicht! Es hat jetzt ein Jude die Möglichkeit und das Recht, zu sagen: ich bin Zionist, ich bin bereit für den Zionismus zu opfern, ich bin aber nicht gezwungen, nach Palästina zu gehen und mein Geld in Geschäften zu verlieren. Wir müssen durch den Keren Hajessod die Grundlagen schaffen, auf denen die Möglichkeit vorhanden sein wird, privates Kapital zu investieren. Vizepräsident Motzkin: Der Kongreß hat beschlossen, der Debatte eine halbe Stunde zu widmen. Diese halbe Stunde ist abgelaufen. Damit hört die Debatte jetzt automatisch auf und wir gehen zu den einzelnen Punkten über. Delegierter A. Freedman (Südafrika, jüdisch, zur Geschäftsordnung): Ich schlage vor, die Generaldebatte fortzusetzen. Mein Antrag ist, daß die Redner, die eingetragen sind, Gelegenheit haben, ihrer Meinung Ausdruck zu geben. 566

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