Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 565 (sequence 575)
- Language
- German, English, Hebrew
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np-r-ir eingehalten werden kann oder nicht. Denn darauf, glaube ich, dürfen wir uns nicht einlassen und jedenfalls werde ich tun, was in meiner Macht steht, um den Kongreß zu verhindern, daß er auf der einen Seite ein Budget genehmigt, bestimmte Weisungen über die Verwendung der Gelder gibt, Menschen hinausschickt nach Palästina und sie verpflichtet, auf Grundlage eines derartigen Budgets zu arbeiten, und daß der Kongreß auf der anderen Seite ein Prozentverhältnis festsetzt, welches dazu zwingen wird, die Arbeit, kaum begonnen, zu unterbrechen oder aber die feierlichen Beschlüsse zu verletzen, welche die Keren Hajessod-Kommission dem Kongresse zumutet, obwohl sie weiß, daß die größte Gefahr besteht, daß diese Beschlüsse in nächster Zukunft nicht durchgeführt werden können. Was ich aber gar nicht verstehe, ist die Verbindung dieser Prozentsätze mit dem Gedanken des Maasser. Ich kann verstehen, daß man das Volk auffordert, Maasser zu spenden, aber ich kann nicht verstehen, daß man auf der einen Seite Opferwilligkeit verlangt, und auf der anderen Seite Opferwilligkeit mit Gewinnanteilen zusammenkuppelt, dazu Gewinnanteile, von denen man nicht überzeugt sein kann, daß man sie auch wirklich wird zahlen können. Ich habe geglaubt, daß man darauf verzichten wird, hier weiter von Prozentsätzen zu sprechen und Zertifikate auszugeben, weil ich glaubte, daß die Keren Hajessod-Verwaltung eins gelernt hat, daß der Keren Hajessod, wie er vom jüdischen Volke verstanden wird, eine Spende ist, daß aber die Verbindung von Spende mit wirtschaftlichen Investitionen den großen Gedanken des nationalen Opfers tötet. Außerdem wirken Sie damit der Aufbringung der Gelder für wirtschaftliche Anlagen entgegen. Sie können den Keren Hajessod nicht zum Träger des ganzen Aufbauwerkes machen und gleichzeitig Subskriptionen für diejenigen Institute verlangen, die wirtschaftlichen Zwecken dienen. Sie können z. B. nicht für die Vergrößerung des Aktienkapitals der Jüdischen Kolonialbank werben, wenn dem Keren Hajessod die Aufgabe zufällt, Banken zu gründen. Wenn Sie hier von der städtischen Hypothekenbank sprechen und davon, daß andere Kreditinstitute geschaffen werden müssen, — bei Gott, darüber kann kein Zweifel sein, — wenn man diese Institute auf geschäftlicher Grundlage errichtet und Gewähr dafür gibt, daß sie zweckmäßig verwaltet werden, so können Sie versichert sein, daß dafür in größerem Maße Geldmittel zufließen, als wenn man diese Institute einhüllt in das nebelhafte Gebilde, das heute der Keren Hajessod darstellt. Endlich! Die ganze Einteilung hat noch eine gefährliche Wirkung. Sie verhindert, daß der Keren Hajessod überhaupt das wird, was er werden sollte, ein Fonds. Sie bestimmen schon die Ausgaben, ehe Sie die Einnahmen haben. Durch Ihre Prozentnorm verhindern Sie, daß vielleicht ein gewisser Teil der Eingänge zurückgestellt werden kann, daß wir endlich zu einem regelmäßigen Budget kommen, statt von der Hand in den Mund zu leben. Ich resümiere: Bezüglich der Anträge der Keren Hajessod-Kommission, soweit sie sich auf die Prozentsätze beziehen, soll der Kongreß es ablehnen, abzustimmen, ehe er in der Lage war, diese Prozentsätze mit dem Budget zu vergleichen, das wir für das nächste Jahr aufstellen. Im übrigen muß sich der Kongreß darüber klar werden, ob die ganze Palästinaarbeit, auf ein Direktorium des Keren Hajessod überzuleiten ist oder ob nicht vielmehr die Zionistische Organisation Trägerin der Wirtschaftspolitik in Palästina bleiben muß. (Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Motzkin: Ich erteile das Wort Herrn Blumenfeld. (Nach einer Pause:) Herr Blumenfeld ist im Saal nicht anwesend und verliert das Wort. Das Wort hat Herr Dr. Wilensky. 565