Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 558 (sequence 568)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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es so sein, wie es im Laufe des Krieges in manchen Ländern war, wo die Frauen den Beschluß gefaßt haben, keine Luxuskleider zu tragen, sondern ein Einheitskleid. Alle haben es getan und keine hat es gewagt, dagegen aufzutreten. Ich bin überzeugt, daß wenn meine Anregung zur Mode wird, wenn unsere Damen zeigen, daß man sich auch ohne Juwelen in der Gesellschaft durchsetzen kann, diese Tatsache darum zum dauernden Erfolg für den Keren Hajessod führen wird. Aber auch da rechne ich wieder mit der Psychologie der Spender. Ich glaube, daß die Frauen, die wirklich ein Opfer bringen, äußerlich irgendwie ausgezeichnet werden müssen. Wir haben ähnliches in manchen kriegführenden Staaten gesehen, wo eine Aktion unter der Parole „Gold gab ich für Eisen" eingeleitet wurde. Es soll ein Ehrenzeichen eingeführt werden, welches denjenigen gegeben werden soll, die ein Opfer gebracht haben. Mein Antrag geht also dahin: Das Hauptbüro des Keren Hajessod soll eine Agitation in der Richtung einleiten, daß in dieser für das jüdische Volk so schweren und entscheidenden Zeit die Frauen das Tragen von Schmuck aufgeben und denselben dem Keren Hajessod zum Opfer bringen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich komme zu meinem letzten Antrag, der mir der wichtigste scheint. Ich betrachte es als einen Fehler und ein Verkennen der Psychologie des jüdischen Volkes, daß man die Idee einer Volksanleihe gänzlich verworfen hat. (Sehr richtig!) Ich glaube auf Grund meiner Kenntnis speziell der Seele des Ostjuden behaupten zu können: wenn man dem Juden ein Wertpapier in die Hand gibt, worin steht, nicht etwa, daß garantiert wird, daß er nach dreißig Jahren den Betrag zurückbekommt, aber doch, daß, wenn das jüdische Volk in Palästina finanziell kräftig genug ist, ihm sein Geld zurückerstattet wird, dann hätten wir statt der langsam wirkenden Saugpumpe des Maasser eine erfolgreich durchgeführte große Volksanleihe. Ich bringe meinen Antrag in einer solchen Weise vor, daß Sie ihn annehmen können. Ich proponiere Folgendes: Der Kongreß spricht den Wunsch aus: die Exekutive wird aufgefordert, im Einvernehmen mit dem Direktorium des Keren Hajessod den Plan einer Volksanleihe für Geulath Haarez zum Gegenstande des Studiums zu machen. Diese Volksanleihe soll auf dem Prinzip aufgebaut sein, daß die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt die Garantie des Zinsendienstes derselben mit zwei Beschränkungen aufnehmen sollen. Die Garantie soll bis zu dem Moment dauern, wo die Bevölkerung Palästinas steuerkräftig genug sein wird, um selber diese Last zu übernehmen. Die finanzielle Haftung der Landesverbände, sowie der jüdischen Gemeinden soll nur bis zur Höhe der in dem betreffenden Lande gezeichneten Beiträge reichen. Ich glaube, wenn die Sache in den fünftausend jüdischen Gemeinden auf die Tagesordnung kommt und sie sich dazu äußern, manche Gemeinde, die eine Garantie übernehmen soll und es nicht will, gerne wenigstens ein „Lösegeld" für den Keren Hajessod zahlen wird. Andererseits glaube ich, daß der Golus in dieser Form herangezogen werden kann. Ich schließe damit: der Maasser ist eine freiwillige Steuer. Es gibt aber eine Institution im jüdischen Leben, wo wir ein Steuerzwangsrecht haben, das ist die jüdische Gemeinde. Ich zweifle nicht, daß alle Kultusgemeinden spezielle Umlagen einführen werden und die Landesverbände subsidiär diese Umlage garantieren; ich bin sicher, daß das jüdische Volk, das an Palästina und an die Zukunft Erez Israels glaubt, zu diesem Opfer bereit sein wird und daß die Volksanleihe einen ungeheuren Erfolg erzielen wird. (Beifall.) 558