Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 557 (sequence 567)
- Language
- German, English, Hebrew
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Hajessod einverleibt werden. Das ist keine so schwere Aufgabe. Als ich vor zwei Jahren in der „Jüdischen Rundschau" diesen Antrag gestellt habe, hat sich das Büro des N. F. spontan an mich gewendet, mit der Mitteilung, daß es diese Aktion durchführen möchte, doch fehlen ihm die Mittel, um eine besondere Abteilung im Büro zu schaffen. Wenn wir den Keren Hajessod als Zentrum unserer ganzen Arbeit und unserer Kapitalversorgung betrachten, dann muß alles getan werden, um außer dem Maasser alles andere herauszusaugen. Auch auf anderes möchte ich Sie noch aufmerksam machen. Wir brauchen für Palästina kolossale Summen. Wie mein Vorredner gesagt hat, müßte man nicht bloß 10% an Maasser geben, sondern das halbe und das ganze Vermögen. Es liegt nun aber tiefbegründet in der Psychologie des Gebers, daß er bei großen Opfern seinen Namen mit irgend etwas Unsterblichem verbunden sehen möchte. Wir haben in Europa noch ein Volk, das in Bezug auf seine Lage dem jüdischen ähnlich ist. Es ist dies das Griechenvolk. Auch da haben wir ein armes Mutterland und eine reiche Diaspora. Als Griechenland an den Aufbau seines Staates schritt, hat man sich nicht begnügt mit gewöhnlichen Spenden, sondern da fand sich ein Kaufmann in Smyrna und der stiftete die Universität. Es fand sich ein zweiter, der stiftete ein Museum, ein Kaufmann Namens Awarow stiftete seinem Vaterlande ein ganzes Panzerschiff, welches ihm während des Balkankrieges große Dienste erwies. Es gibt nun auch im jüdischen Volk Carnegies und Awarows genug. Man muß sie nur zu packen wissen. Ich glaube, daß in diese Richtung der Keren Hajessod sein ganz besonderes Augenmerk richten soll. Praktisch stelle ich mir die Sache so vor: das Direktorium arbeitet einen konkreten Plan aus und sagt, wir wollen z. B. ein Museum bauen. Wir brauchen dafür eine halbe oder eine viertel Million Pfund und trachten dafür jemand zu gewinnen, der eine Stiftung, wie es Carnegie getan oder wie es Jakob Schiff mit dem Technikum gemacht hat, ins Leben ruft. Mein Antrag geht also dahin: Es ist vom Hauptbüro das Augenmerk darauf zu richten, daß unbeschadet des Maasser-Prinzips eine Propaganda eingeleitet werde, um für einzelne, als wichtig erkannte Zwecke, wie Bau eines Museums, einer Schule, einer Bibliothek, größere einmalige Zuwendungen in Form von gesonderten Stiftungen seitens einzelner Volksgenossen zu erlangen. Mein zweiter Antrag lautet: Die Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds und des Keren Hajessod werden beauftragt, eine Liste sämtlicher jüdischer Stiftungen, sowie anderer öffentlicher Fonds, die bei den einzelnen jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt bestehen, anzulegen. Die Büros sollen sodann die Stiftungsurkunden untersuchen und wo immer eine juristische oder tatsächliche Möglichkeit dafür vorhanden ist, ungesäumt Schritte einleiten, daß die in Betracht kommenden Stiftungen und Fonds für Palästina verwendet und dem Keren Hajessod einverleibt werden. Ich komme noch zu etwas anderem. Ich kann mich da auf das Beispiel von Litauen berufen. Dort haben die Frauen den Beschluß gefaßt, eine Agitation einzuleiten unter der Parole: in dieser schweren Zeit sollen die jüdischen Frauen, die so oft schon Opfermut gezeigt haben, sich nicht als Juwelen-Hebräerinnen in den Fenstern der Kaffeehäuser zeigen, sondern ihren Schmuck auf dem Altar des Volkes opfern. (Lebhafter Beifall.) In Litauen hat dieses Beispiel gewirkt Wenn die Sache Mode wird, so wird 557