Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 562)
- Language
- German, English, Hebrew
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jüdisches Palästina auf einer gesunden Grundlage aufzubauen. Wir verstehen die Opfer, die wir verlangen. Aber wir Zionisten müssen die Kraft haben, vom jüdischen Volk diese Opfer zu fordern. Es ist dies vielleicht die schwerste Pflicht, die uns obliegt. Aber wir müssen sie auf uns nehmen, sonst wird unser Ziel nicht erreicht werden. Wir können diese Forderung übernehmen, denn das jüdische Volk — das haben alle die Proben, die wir in diesem halben Jahr in einer Anzahl von Ländern gemacht haben, bewiesen — hat ein Verständnis für diese Forderung, es empfindet die Berechtigung derselben, sowohl in solchen Ländern, in denen es noch ein Leben in der alten Tradition führt, als auch in den Ländern, welche der Assimilation einen weitgehenden Tribut zahlen. Aber, geehrter Kongreß, das jüdische Volk kann die Berechtigung unserer Forderung nur dann fühlen, wenn es die Empfindung hat, daß wir Zionisten mit voller Energie uns selbst an die Spitze stellen und selbst die Forderung erfüllen, die wir an andere stellen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es handelt sich nicht darum, daß man Geld geben soll, sondern darum, daß man es geben soll als Erfüllung einer nationalen Pflicht, als Voraussetzung für die nationale Arbeit, die uns obliegt. Es ist nicht eine Aufgabe für die Wohlhabenden, es ist eine Aufgabe für alle, und jeder, der Maasser gegeben hat, hat dasselbe zum Aufbau Palästinas beigetragen, gleichgültig, ob sein Maasser klein oder groß war. Werden v wir die Kraft haben, dies in unseren Reihen durchzuführen, dann wird das Volk auf uns hören und wir werden so gleichzeitig im Volke die Atmosphäre schaffen, die notwendig ist, um alle für den Aufbau Palästinas zu einigen. Die Schaffung des Keren Hajessod als eines allgemeinen jüdischen Fonds, der über die Grenzen der Zionistischen Organisation hinausgeht, ist eine starke Manifestation, ein Beweis für die innere Kraft unseres Zionismus, daß wir heute empfinden, daß der zionistische Gedanke so stark geworden ist, daß wir über die Grenzen unserer Organisation hinausgehen und die Parole ausgeben können, auf die das jüdische Volk gewartet hat: Daß Palästina das Land aller Juden ist und daß jeder Jude dasselbe Recht auf ein jüdisches Palästina hat. (Großer Beifall und Händeklatschen.) Gestatten Sie mir zum Schluß eine Bemerkung über die parlamentarische Erledigung unserer Anträge. Wir sind hier auf dem Kongreß immer in einer sehr schwierigen Lage. Im Grunde genommen sind wir alle bei uns zu Hause Vositzende. Ich glaube kaum, daß hier im Saale jemand ist, der nicht irgendwo Vorsitzender ist. (Heiterkeit.) Infolgedessen hat jeder das Gefühl, daß er jede Sache sehr gut versteht. Ich sagte Ihnen zum Anfang, wir haben bereits in einem Kreise von 55 Delegierten diese Dinge beraten. Im Namen dieser 55 gebe ich Ihnen ohneweiters zu, daß eine ganze Reihe von Vorschlägen noch besser hätte gefaßt werden können. Aber es kommt ja nicht darauf an, ob dieser oder jener Punkt etwas besser oder weniger gut gefaßt ist, sondern daß die Oeffentlichkeit das Gefühl bekommt, daß der Kongreß diese Prinzipien mit möglichst großer Majorität festgestellt hat und deswegen bitte ich Sie, wenn der Herr Vorsitzende mir dann gestatten wird, die einzelnen Anträge zu verlesen und zur Abstimmung zu stellen, sich nicht beirren zu lassen, wenn dieser oder jener Passus vielleicht nicht allen gleich gut erscheint. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Klumel: Wir treten jetzt in die Debatte ein. Das Wort hat Herr Dr. R a p p a - p o r t. Delegierter Dr. Samuel Rappaport (Misrachi, deutsch): Hoher Kongreß! Nach mehrtägiger Arbeit sind wir endlich dazugekommen, über den Keren Hajessod zu sprechen. Der Keren Hajessod soll das wichtigste und bedeutendste Instrument sein für den Wiederaufbau 552