Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 543 (sequence 553)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4843-3480987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vizepäsident Farbstein: Es hat ein Redner für und einer gegen gesprochen. Wir stimmen nun ab. Wer für den Uebergang zur Tagesordnung ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Angenommen. (Lebhafter Beifall. — Widerspruch und zahlreiche lärmende Zurufe.) Das Ergebnis der Abstimmung wird bezweifelt. Wir werden daher nochmals abstimmen und die Stimmen zählen. Wer für den Uebergang zur Tagesordnung ist, möge, die Hand erheben. (Geschieht. — Auszählung.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach Auszählung:) Der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung ist mit 131 gegen 35 Stimmen angenommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Großer Lärm.) Vizepräsident Motzkin (den Vorsitz übernehmend): Meine Herren! Ich bitte Sie um Ruhe. Mit dem Organisationsstatut sind wir, abgesehen von den strittigen Fragen nunmehr fertig. Wir gehen nun zur Debatte über den Keren Hajessod über. Herr Dr. F e i w e 1 hat das Wort als Berichterstatter für den Keren Hajessod. Ich bitte die Delegierten ihre Plätze einzunehmen. Lassen Sie uns schneller arbeiten! Mitglied des A.C. Dr. Berthold Feiwel (deutsch): Der Gegenstand des Keren Hajessod ist seinem materiellen und seelischen Inhalte nach bedeutsam genug, um die Aufmerksamkeit des Kongresses für eine beträchtliche Zeit in Anspruch zu nehmen und zu fesseln, so gut oder vielleicht mehr als jeder andere Gegenstand, der uns bisher beschäftigt hat. Im Drange der Geschäfte ist leider nur noch eine kurze Spanne Zeit übrig geblieben. So ungemein reizvoll es wäre, ja, so sehr es unsere Pflicht wäre, in die Angelegenheiten des Keren Hajessod in historischer Betrachtung und in Programmatik für die Zukunft bis ins Letzte einzudringen, so müssen wir uns doch außerordentliche Beschränkung auferlegen. Der nachfolgende Redner Herr Dr. H a n t k e wird Ihnen zu unterbreiten haben, was in tagelanger, mühevoller, wohlüberlegter Arbeit die Keren Hajessod-Kommission dem Kongresse als Resultat vorzulegen hat. Ich möchte das nur mit einigen Worten einbegleiten. Ich nehme an, daß Sie alle den Bericht gelesen haben, den wir dem Kongresse unterbreitet haben. Auch in diesem Berichte haben wir uns darauf beschränkt, durchaus sachlich nur Tatsachen festzustellen. Geehrter Kongreß! Als auf der Jahreskonferenz im Vorjahre der Keren Hajessod-Plan, ich möchte sagen, in die Judenheit hinausgeschleudert wurde, war es in jedem Sinne ein großes Experiment. In einer Arbeit von nur wenigen Tagen war von der Kommission der Jahreskonferenz ein neues, bisher unerhörtes System für die Sammlung eines Fonds aufgestellt worden, der schon durch seine gewaltige Höhe eine Leistung der Judenheit erforderlich macht, wie wir sie in ihrer ganzen Geschichte nicht kannten und die für die Zukunft zu erwarten, einen ungeheuren Mut und einen starken Glauben an die Judenheit voraussetzt. 543