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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 542

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 542 (sequence 552)
Language
German, English, Hebrew
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…/3476254-3476278--4842-3480986
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lärmende Zwischenrufe.) Die Frage der Sprache ist eine Frage der Kultur, und Kultur läßt sich nicht diktieren. (Lebhafter Widerspruch.) Wenn Sie sich nun auf diesen Weg begeben haben, auf diese schiefe Ebene, wie ich wiederhole, dann bin ich der Ansicht, daß die Beamten der Zionistischen Organisation umsomehr verpflichtet sind, die Sprache der jüdischen Volksmassen, das ist die jüdische Sprache, zu können. Dies ist mein Zusatzantrag. Delegierter Dr. A. S. Juris (Poale Zion, jüdisch): Ich stelle den Zusatzantrag, daß alle Beamten der Zionistischen Organisation jüdisch können müssen. (Widerspruch und Lärm.) Herr M. Scheinkin (jüdisch): Es wurde gesagt, es sei unmöglich, oder doch viel zu schwer, in einem Jahre hebräisch zu erlernen. Ich muß konstatieren, daß der größte Teil der aus Amerika nach Palästina Eingewanderten in vier oder höchstens sechs Monaten hebräisch sprechen gelernt hat. Das ist ein Faktum. Sie haben gezeigt, was es heißt, wenn ein Mensch es mit seiner Pflicht ernst nimmt. Sie schreiben zwar keine hebräischen Artikel, aber reden können sie. (Lebhafter Beifall.) Dasselbe sehen wir bei fast allen jungen Leuten und Mädchen. 90 Prozent von ihnen reden in höchstens sechs Monaten hebräisch. Das ist also möglich. Man kann auch den Vorschlag annehmen, der sich auf die Exekutive bezieht, aber ich würde beantragen, ihr dazu ein halbes Jahr Zeit zu geben. Delegierter Dr. H. Schachtel (deutsch): Ich möchte bloß ein Wort gegen die Ausführungen des Herrn Scheinkin sagen. So viel ich weiß, ist Herr Scheinkin Lehrer. Ich bedaure, daß seine pädagogischen Erfahrungen nicht so weit reichen, um zu wissen, daß man wohl in Palästina, aber nicht hier in einem halben Jahre hebräisch lernen kann. Vizepäsident Farbstein: Wir gehen zur Abstimmung über den Antrag D a i c h e s mit dem Amendement, daß der Exekutive ein Jahr Zeit zum Erlernen der hebräischen Sprache gewährt wird. Wer für den Antrag in dieser Form ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Einstimmig angenommen. (Großer Beifall und Händeklatschen.) Es liegt der Antrag vor, über den Antrag bezüglich der jüdischen Sprache zur Tagesordnung überzugehen. (Große Unruhe.) Ich bitte um Ruhe, meine Herren! (Fortgesetzte Unruhe im ganzen Saal.) Delegierter S. Goldenberg (Rußland, jüdisch): Geehrter Kongreß! Ich hoffe, daß mich niemand der Stellungnahme gegen die jüdische Sprache beschuldigen wird, denn ein Journalist, der sein ganzes Leben lang jüdisch schreibt, wird nicht gegen das Jüdische sprechen. Aber man kann auf dem Kongreß nicht billige Demonstrationen veranstalten. Alle Mitglieder können und verstehen jüdisch. Es ist noch nicht passiert, daß man eine Exekutive gesehen hätte, die nicht jüdisch versteht. Man kann aber dies in Form eines solchen Antrages nicht vorbringen. Ich bin daher für den Uebergang zur Tagesordnung. Delegierter B. Locker (Poale Zion, jüdisch): Geehrter Kongreß! Auch ich bin absolut gegen jede Demonstration. Meiner Ansicht nach gehört diese ganze Sache nicht hierher. Da Sie aber den Antrag angenommen haben, daß die zionistischen Beamten hebräisch können müssen, so müssen sie umsomehr jüdisch können, da sie es sehr oft mit ganz gewöhnlichen Juden zu tun haben. 542

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