Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 541 (sequence 551)
- Language
- German, English, Hebrew
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Delegierter Dr. Schachtel: Ich ziehe meinen Antrag zu Gunsten des Antrages Kollenscher zurück, der alles enthält, was vorgeschlagen worden ist; wir können aber die Materie nicht übereilen. Vizepäsident Farbstein: Es liegen zwei Anträge vor, der Antrag Krämer und der Antrag Kollenscher. Der letztere ist der weitgehende, da er die ganze Resolution wegnimmt. Wer dafür ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.^ Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Abgelehnt. Jetzt kommt der Antrag Krämer. Wer dafür ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Angenommen. Jetzt kommt der Antrag Salzmann: Die Beamten der zionistischen Organisationen haben die Kenntnis der hebräischen Sprache in Wort und Schrift nachzuweisen. Delegierter Dr. Klumel (Polen, jüdisch): Nur die neu zu engagierenden Beamten? Delegierter Dr. Daiches (England, deutsch): Wir wünschen, daß alle Juden und Zionisten hebräisch verstehen sollen. Aber das ist nicht möglich. (Widerspruch.) Ein Parlament darf keine Gesetze annehmen, die praktisch undurchführbar sind. (Stürmischer Widerspruch.) Damit ist die Ehre des Parlamentes verringert. Wenn Sie heute verlangen, daß alle Beamten, z. B. auch die Beamten des Kongresses hebräisch verstehen müssen (Rufe: Ja!), so werden Sie dazu kommen, daß Sie eine große Anzahl von Beamten entlassen müssen. (Ererneuter Widerspruch. — Anhaltender Lärm.) Ich gebe niemandem hier das Recht zu sagen, daß er das Hebräische mehr liebt als ich. Aber wir dürfen das nicht in dieser Weise auf die Spitze treiben. Delegierter Dr. Bierer (Bukowina, hebräisch): Meine Herren! Ueber diese Frage sollte auf dem Zionistenkongreß überhaupt nicht abgestimmt werden. Es ist Pflicht eines jeden Zionisten, geschweige denn eines im Dienste des Zionismus stehenden Mannes, daß er die Sprache unserer Organisation kennt. (Lebhafter Beifall.) Ich gestatte mir infolgedessen in Gemeinschaft mit dem Herrn Delegierten Salzmann den Antrag in folgender Fassung vorzubringen (liest): „Die Beamten der zionistischen Organisationen haben die Kenntnis der hebräischen Sprache in Wort und Schrift nachzuweisen, die alten Beamten haben diese Kenntnis binnen eines Jahres beizubringen." (Lebhafter Widerspruch und Lärm.) Vizepäsident Farbstein: Wer für den Antrag ist, möge die Hand erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause:) Der Antrag ist angenommen. Delegierter Dr. Daiches: Geehrter Kongreß! Ich beantrage, daß sämtliche Mitglieder der Exekutive hebräisch können müssen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Delegierter Dr. Ignatz Schipper (Poale Zion, jüdisch): Hoher Kongreß! Ich halte dafür, daß wir uns mit den letzten Resolutionen auf eine schiefe Ebene begeben haben. Der Kongreß ist nicht dazu da, daß er Sprachpolitik treibe (Lebhafter Widerspruch), der Kongreß ist dazu da, daß er Politik für Erez Israel treibe. (Zahlreiche lebhafte Zwischenrufe.) Ich werde mich nicht terrorisieren lassen. (Erneute 541