Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 524)
- Language
- German, English, Hebrew
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greß ein jüdisches Parlament sein soll, das die Meinungsverschiedenheiten im jüdischen Leben abspiegelt, so müssen wir ihn in eine demokratische Institution verwandeln und jeder Jude muß unabhängig davon, welchen Schekel er hat, wählen können, wen er will. Es soll einen Wahlkampf geben, der sich allerdings nicht um Personen konzentrieren soll, wie es meist der Fall ist, sondern es soll ein prinzipieller Wahlkampf werden, es soll jede Partei in den Wahlkampf treten, dann wird der Kongreß in Wirklichkeit ein jüdisches Parlament werden. Delegierter B. Locker (Poale Zion, jüdisch): Geehrter Kongreß! Ich wende mich gegen das Votum separatum des Herrn Vorredners, weil es eine halbe Arbeit vorstellt. Man beruft sich auf die Demokratie. Dann müßte man aber das ganze Wahlsystem zum Kongreß von Grund auf ändern und wirklich das gesamte Volk heranziehen. Die Sonderverbände betrachten ihre Schekolim nicht als Schekolim schlechthin, sondern als eine Demonstration ihrer Gesinnung, und jeder Jude, der einen Schekel bei dem oder jenem Sonderverband kauft, erklärt eo ipso, daß er zu dieser oder jener Richtung gehört. (Widerspruch.) Wir Poale Zion haben jedem Schekelzahler eine Deklaration über die Prinzipien der Poale Zion vorgelegt und unterschreiben lassen. Jedenfalls muß man, wenn man den Kongreß zu einem Volkskongreß gestalten will, seinen ganzen Aufbau reformieren. Ich muß jedenfalls erklären, daß ein solcher Antrag, wie der jetzige, für den Sonderverband, welchen ich vertrete, eine absolute Ueberraschung und einen Bruch der Tradition der Kongreßorganisation bedeutet. Wir können nicht darauf eingehen. (Zwischenrufe.) Ich wende mich auch gegen das Amendement der Kommission wegen des zweijährigen Durchschnitts. Die ganze Kongreßorganisation war immer so, daß in den Kongreßjahren das Interesse für den Kongreß ein stärkeres war. Erst da zeigt sich die Stärke der Verbände. Ich. schlage also vor, daß § 20 ohne Amendement der Kommission angenommen werde. Die Zahl der Schekelzahler, welche berechtigt sind, Vertreter zu schicken, sollte so belassen werden, wie sie in dem Londoner Wahlreglement für die Wahlen zu diesem Kongreß festgesetzt war. Es gibt Gruppen, die klein sind, die aber eine Richtung vertreten und berechtigt sind, in den Kommissionen mitzuarbeiten. Wenn man es den kleinen Organisationen unmöglich macht, in den Kommissionen vertreten zu sein, wird die Arbeit des Kongresses erschwert. Ich schlage also vor, das Minoritätsvotum und den Zusatzantrag wegen des Durchschnittes von zwei Jahren abzulehnen, und bei der Zahl der Schekolim zu bleiben, die von der Exekutive in der letzten Wahlordnung bestimmt wurde und die die Grundlage des jetzigen Kongresses war. Delegierter Dr. J. Löwenherz (Oesterreich, deutsch): Hoher Kongreß! Es ist leicht, durch das Schlagwort von angeblich demokratischen Prinzipien betört zu werden. Die Herren, welche vorgeschlagen haben, es mögen der Misrachi, die Bürgerlichen und Linke zusammenwählen, wollen keinen Kampf der Prinzipien, sondern einen Kampf von Personen und gegenseitigen Beschimpfungen und Anfeindungen heraufbeschwören. Es sollen die Herren Antragsteller mit den Misrachi und den Bürgerlichen in der Arbeit konkurrieren, aber nicht im Terror während der letzten zwei Wochen des Wahlkampfes. Wir wollen ein richtiges Bild der Kräfteverhältnisse in den Ländern bieten, aber nicht infolge Terrors Leute in den Kongreß wählen, die dann hier eine Macht repräsentieren, über die sie tatsächlich im Lande nicht verfügen. Wir wollen uns nicht gegenseitig zerfleischen. Wenn wir dieses Prinzip annehmen würden, würde der Kongreß nicht ein Bild der wahren Verhältnisse bieten, sondern ein Ergebnis der Schlepperdienste darstellen, welche die Agitatoren in den letzten zwei Wochen leisten. Er würde dann nicht die Meinung der Allgemeinheit 514