Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 506)
- Language
- German, English, Hebrew
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tätenpolitik nicht sprechen, aber die Tatsache muß festgehalten werden, da heute wieder so eine agitatorische Welle nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa durch den Zionismus geht, die sich gegen die angeblich überwuchernde Galuthpolitik wendet. Diese Behauptung einer überwuchernden Galuthpolitik ist sachlich vollkommen unbegründet. Wenn wir uns klar machen, was die extrem-nationale Richtung im Zionismus in Europa an Galuthpolitik geleistet hat, so müssen wir sagen, sie hat eigentlich beschämend wenig getan, ja man müßte eigentlich sagen, es ist fast nichts getan worden. Ein wenig Schulwesen, ein wenig hebräische Sprachkurse — sind das Dinge, gegen die man sich wenden kann? Wo liegen die Gefahren? Es ist ein ungeheurer psychologischer Irrtum, wenn man glaubt, daß man durch Wegstreichen dieser Galuthpolitik die nichtzionistischen Kreise für den Zionismus gewinnen könnte. Es muß noch einmal festgestellt werden, daß nicht die Galuthpolitik den Widerstand der Assimilationsjuden gegen den Zionismus entfesselt hat. Hat man denn die Herzl'schen Zeiten vergessen, wo die Assimilanten über Herzl hergefallen sind, weil er das jüdische Palästina aufbauen wollte, weil nämlich in dem Gedanken des jüdischen Palästina der Gedanke der Wiedergeburt der jüdischen Nation enthalten ist? Das ist der Gedanke, gegen den sich instinktiv das ganze nichtzionistische, assimilationslüsterne Judentum wendet. Ausschließlich wegen dieses zentralen Gedankens des Zionismus, der den Zionismus trägt, ohne den der Zionismus undenkbar ist, wegen dieses nationalen Kerns des Palästina-Gedankens hat sich das assimilatorische Judentum gegen uns gewendet. Solange wir mit Ernst: an unserem wahren Ziele festhalten — und das wahre Ziel ist nicht philanthropische Kolonisation in Palästina zu treiben, das wahre Ziel ist immer gewesen und so verstehen wir es und so muß es jeder verstehen, der sich Zionist nennt, die Wiedergeburt der jüdischen Nation in Palästina — solange muß die Zionistische Organisation in einer Kampfstellung gegenüber dem assimilationslüsternen Judentum verharren. Ein jeder Jude ist heute vor eine Entscheidung gestellt und muß für seine Person die Entscheidung treffen zwischen dem Zionismus als dem Willen zur nationalen Erneuerung und der Assimilation. Weil nun die Dinge so liegen, deshalb brauchen wir heute noch die Zionistische Organisation als eine nationale Kampforganisation innerhalb des Judentums, deshalb können wir auf das Instrument dieser weltumspannenden Organisation als einer nationalen Kampforganisation gegen die Tendenzen der Assimilation nicht verzichten. Es ist ein großer Irrtum, wenn manche Kreise glauben, daß die Zeiten dieser nationalen Auseinandersetzung bereits vorüber seien und daß man allen Juden nur zuzuwinken brauche, damit sie in die Zionistische Organisation eintreten. Diejenigen, die wirklich ernsthaft mit uns arbeiten wollen, sollen uns willkommen sein. Aber 496