Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 505)
- Language
- German, English, Hebrew
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Organisators, der im engsten Zusammenhange mit diesen Instituten arbeiten soll. Es wird unsere organisatorische Aufgabe in London sein, einen solchen Finanzierungsapparat zu schaffen, der zunächst die nötige Stimmung in der jüdischen Welt schafft und ihr sagt, warum und für welche Zwecke diese Fonds gesammelt werden. Daran hat es bisher gefehlt. Wenn wir über die verflossene Periode sprechen und über gewisse Herren, die als geschäftstüchtig gelten, so möchte ich sagen, sie waren vielleicht geschäftstüchtig und haben vielleicht ausgezeichnete Pläne ausgearbeitet — es liegen in London in den Schubläden solche Pläne, wie man den Jewish Colonial Trust zu einem großen Zentral-Finanzinstitut machen soll, — aber gefehlt hat der Organisator und Propagator, der dem jüdischen Volk gesagt hätte, zu welchem Zweck man den Jewish Colonial Trust zu einem großen Institut machen soll; und weil das gefehlt hat, ist aus dem ganzen Plan nichts geworden und der Jewish Colonial Trust hat keine neuen Aktien verkauft. Kolonisation und Geschäft ist etwas anderes als die Geldaufbringung. Wir müssen neben unseren Finanzinstituten einen Apparat haben, der diese Geldaufbringung besorgt. Darum muß eine Konzentrierung dieser Institute am Sitz der Leitung stattfinden. Ich hatte eigentlich die Absicht, viel ausführlicher und über viel mehr Punkte in organisatorischer Hinsicht zu berichten, aber es ist spät geworden, Sie alle sind vom Reden übersättigt und ich will deshalb zum Schluß kommen. Ich möchte Ihnen nur über eine Seite unseres organisatorischen Problems noch einige Worte sagen. Wir sind hier zu diesem Kongreß gegangen unter dem Eindrucke eines Kampfes, der sich in unserer Organisation abgespielt hat. Dieser Kampf hat neben allem, was er an Persönlichem enthielt, neben allem, was er an Unangenehmem enthielt, noch eine Gefahr in sich enthalten. In diesem Meinungskampf hat es sich um nicht mehr und nicht weniger als um die Existenz unserer Zionistischen Organisation selbst gehandelt und deshalb müssen wir, wenn wir hier nach acht Jahren zum erstenmal wieder auf einem Zionistenkongreß beisammen sind, uns ohne Schönrednerei darüber klar werden, ob und warum wir diese Zionistische Organisation haben und brauchen und für die Zukunft als diese große interterritoriale, weltumspannende Organisation erhalten wollen. Man hat in dieser Debatte sehr viel von dem Ueberwuchern der Galuth-Aufgaben, von der Diasporapolitik gesprochen, die den Zionismus in seiner praktischen Wirksamkeit innerhalb des Judentums schädige. Es ist wiederholt darauf aufmerksam gemacht worden, daß gerade diejenigen Amerikaner, die heute so sehr gegen die überwuchernde Galuthpolitik eifern, seinerzeit bei den Pariser Friedensverhandlungen mit großer Entschiedenheit für die Politik des Minoritätenschutzes eingetreten sind. Dies ist aber doch die extremste Form nationaler Galuthpolitik. Ich will über die Bedeutung dieser Minori- 495