Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 490 (sequence 500)
- Language
- German, English, Hebrew
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darzustellen vermögen. Das war ganz zweifellos für uns der leitende Gesichtspunkt bei der Auswahl der führenden Personen für das damalige Engere Aktions-Comitee. Wir haben also unsere Leitung früher gewählt nach dem Gesichtspunkt einer politischen Partei, die sich ihren Parteivorstand gibt, wir haben unsere Leitung so gewählt, wie etwa die sozialistische oder konservative Partei in einem Staate ihren Parteivorstand wählt, als eine Repräsentanz des sozialistischen oder konservativen Gedankens innerhalb des Staates und mit dem ausgesprochenen Zweck, für diesen Gedanken zu werben. Heute nun haben wir neben diesem Gesichtspunkt einen anderen wahrzunehmen. Wir sind nicht nur eine politische Partei, die sich ihren Vorstand wählt, damit er die leitende Idee dieser Partei in der Oeffentlichkeit durchsetzt, wir sind gleichzeitig ein werdender Staat, und dieser Kongreß ist schon die Vorstufe des künftigen jüdischen Parlaments. Darum müssen wir heute die leitenden Personen so wählen, wie das Parlament in einem Staate sein Ministerium wählt. Da haben Sie die zwei Gesichtspunkte, die wir zu berücksichtigen haben: auf der einen Seite die Notwendigkeit, den Vorstand einer politischen Partei zu wählen, die innerhalb des Judentums noch immer in einem gewissen Sinne eine politische Partei darstellt und ihre Gedanken durchsetzen will, auf der andern Seite das Erfordernis, ein Ministerium zu wählen, das so handelt, als wenn wir schon ein jüdischer Staat wären, weil wir bereits bestimmte „staatliche" Aufgaben kolonisatorisch-praktischer Art in Palästina zu erfüllen haben. Weil wir nun diese beiden Gesichtspunkte berücksichtigen müssen, weil wir in unserer Exekutive Parteivorstand und Ministerium zugleich haben wollen, ist es so schwer, die richtige organisatorische Form und die richtigen Personen zu finden. Nun, eine solche Schwierigkeit, die man konstatiert hat, darf uns doch nicht abschrecken, an die Lösung der Aufgabe heranzutreten, denn es gibt keine andere Instanz als diesen Kongreß, um diese schwierige Aufgabe zu lösen. Sie erkennen aus dieser Gegenüberstellung, die ich eben machte, aus der Gegenüberstellung von Parlament und Ministerium einerseits, Partei und Parteivorstand andererseits, daß es falsch wäre, wenn wir unsere Leitung nur nach dem einen oder anderen Gesichtspunkt wählen würden. Deshalb lassen Sie mich hier ein Wort sagen über die sogenannten Fachleute, nach denen heute die zionistische Oeffentlichkeit schreit. Diese „Nichts-als-Fachleute", diese „Nur-Ressort- Minister", diese angeblich tüchtigen Leute, die uns verwalten und führen sollen, sind ein Phantasiegebilde, existieren gar nicht. Sie können nicht existieren, weil wir eben zugleich in dem werdenden Staat auch die wachsende Partei sind, weil wir nicht in dem Ruhezustande eines bereits existierenden Staatswesens sind, sondern noch immer genötigt sind, an unserer Spitze solche Menschen zu wissen, die 490