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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 482

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 482 (sequence 492)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476278--4782-3480926
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Israel zu reden. Die Immigranten kommen mit verschiedenen Sprachen hin und, wenn da nicht eine starke Gegenbewegung einsetzt, so besteht die Gefahr, daß das Polyglottentum überhand nimmt. Ich will noch auf eine wenig berührte Frage eingehen, über die man nicht zur Tagesordnung übergehen kann. Das jüdische nationale Schulwesen in den Galuthländern hat für uns eine nationale, soziale und politische Bedeutung. Die nationale Bedeutung ist ganz klar, und ich habe es nicht nötig, mich darüber auf einem Zionistenkongreß zu verbreiten. Wenn das Schulwesen auch in sozialer Richtung ausgebaut wird, dann kann es erst recht eine bedeutende Rolle spielen. Besonders betone ich aber den letzten Punkt. In einer ganzen Reihe von Ländern kämpfen wir um die nationale Autonomie und daher ist das nationale Schulwesen in unseren Händen eines der wichtigsten politischen Instrumente. Deshalb meine ich, daß es auch in dieser Hinsicht Pflicht und eine der wichtigsten Aufgaben der Zionistischen Organisation wäre, das nationale Schulwesen in den Galuthländern materiell und moralisch zu fördern. Vizepräsident Motzkin (unterbrechend): Herr Dr. Bienenstock, es tut mir leid, Sie haben Ihre Redezeit bereits um 3 Minuten überschritten. Delegierter Dr. Bienenstock (fortfahrend): Nur noch eine Minute! Es ist natürlich, daß man hier nicht vom ganzen Schul- und Lehrplan sprechen kann. Ich wollte nur auf Einzelheiten hinweisen. Es muß ein Weg gefunden werden, daß die nationalkulturellen Werte, die in der jüdischen Literatur liegen — nicht bloß in der hebräischen, sondern auch in der jüdischen — im Schulwesen entsprechend ausgenützt werden. Es geht nicht an, daß ein Schüler, der eine nationaljüdische Schule verläßt, keine Ahnung von der ganzen jüdischen Literatur hat. Es ist dies ein sehr schweres Problem. Ich meine, man darf die Sache weder auf der einen noch auf der anderen Seite auf die Spitze des Messers stellen. Ich schließe meine Ausführungen. Die entsprechenden Resolutionen lege ich dem Präsidium vor. Wenn wir immer mit Stolz behaupten, wir sind das Volk des Buches, das Volk des Geistes, so dürfen wir beim Wiederaufbau Erez Israels den geistigen Wiederaufbau nicht außer acht lassen. Ich werde mir erlauben, eine Einzelheit aus einer dramatischen Legende von Anski „Zwischen zwei Welten" zum Vergleich anzuführen. Ich stelle mir das Verhältnis von Erez Israel zum Golus so vor: Erez Israel ist die Quelle des jüdischen Lebens und der Golus ist das jüdische Herz. Vom jüdischen Herzen weben sich dünne Fäden zur Quelle des jüdischen Lebens in Erez Israel. Die Fäden werden immer stärker und werden zu einem festen Band, und das jüdische Herz träumt davon, sich mit der jüdischen Quelle zu verschmelzen. Es ist unsere Pflicht, diesen Verschmelzungsprozeß zu erleichtern und zu fördern. (Großer Applaus.) Vizepräsident Motzkin: Ich bedaure sehr, daß ich in etwas nervöser Weise die Redner unterbreche. Wir müssen aber in einer Viertelstunde schließen. Ich habe Ihnen folgendes mitzuteilen. Wir haben gemäß unserer ursprünglichen Tagesordnung noch 5 Sitzungen abzuhalten. Viele Delegierte sind aber nicht in der Lage, noch vier Tage hier zu bleiben. Es gibt keinen Kongreß mehr, wenn wir noch vier Tage verhandeln. Wir müssen uns zusammennehmen und logisch sein. Es kann nicht Jeder alles sagen, was er gern sagen möchte, die Welt hört auch nicht mit dem Kongresse auf. Wir müssen uns zusammennehmen, um alle Berichte der Kommissionen durchzuführen, um Beschlüsse zu fassen, denn was jetzt kommt, hat eine wirkliche Bedeutung für die nächsten zwei Jahre und nicht bloß für die Tage des Kongresses. Wir müssen daher diese fünf Sitzungen so abhalten, 482

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