Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 481

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 481 (sequence 491)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4781-3480925
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der Revolutionierung des Geistes; unsere Schule muß unsere Jugend auch zur Freiheit erziehen, sie muß ihr einen freiheitlichen Geist und nationale Ethik geben. Sie muß trachten, in dem jungen Menschen einen Menschen mit neuen Idealen, mit frischen geistigen Kräften auszubilden. Darum glauben wir, daß für uns die Kultur gleichbedeutend ist mit dem Prinzip eines neuen nationalen Lebens. Der Zionismus hat aufgehört, Parteisache zu sein, sondern ist eine neue jüdische Weltanschauung geworden und diese muß bei der Jugend erzeugt werden. Wir müssen damit rechnen, daß auch Mißerfolge kommen. Auch für diese muß das junge Geschlecht erzogen werden. Es muß das nationale Ideal nicht nur äußerlich annehmen, nicht nur die hebräische Sprache erlernen, es muß den Zionismus innerlich durchleben. Dann kann man auf eine starke Jugend rechnen, welche sich den größten Gefahren aussetzt, und selbst die größten Mißerfolge werden nicht imstande sein, sie von dem rechten nationalen Wege abzuwenden. Man hat hier von Pioniertum gesprochen. Das wahre Prinzip des Pioniertums muß eines der Grundelemente der nationalen Erziehung sein. Wenn man davon spricht, daß der neue Jude geboren werden soll, so kann das nur in Erez Israel geschehen. Dort sind die Bedingungen vorhanden, die das Erziehungsprinzip fördern. Aber auch in den Galuthländern kann man die Wiedergeburt geistig vorbereiten. Es wird eine Menge von neuen Problemen aufgeworfen, die ich nicht alle berühren kann; ich will nur eines erwähnen: das Verhältnis der Erziehung zur Orthodoxie. In den Galuthländern sind allgemein jüdische und orthodoxe Schulen. Als Leiter einer jüdischen Schule geht meine Meinung dahin, daß ein solcher Dualismus nicht gesund sein kann. Das ganze jüdische Schulwesen muß auf einer einheitlichen Grundlage ruhen. Vizepräsident Motzkin: Ihre Redezeit ist abgelaufen. Delegierter Dr. Bienenstock (fortfahrend): Ich bitte den Kongreß, mir noch ein paar Minuten zu gewähren. (Zustimmung.) Daß das neue Prinzip der Erziehung eine wichtige Rolle spielt, dafür kann man eine Reihe von Beweisen aufzählen. Wir haben uns mit den Fortschritten der Schomrim in der hebräischen Sprache und der nationalen Entwicklung gefreut. Es hat sich aber herausgestellt, daß das nur etwas Aeußerliches ist. Es hat ihnen das innerliche Durchleben gefehlt, sie sind der jüdischen Nation und der hebräischen Sprache, die einmal ihre Ideale waren, entfremdet worden. Die Vertiefung des ganzen Erziehungsprinzipes ist eine der wichtigsten Forderungen, die man stellen muß. Wir haben aus dem Berichte der Reorganisationskommission entnommen, und auch private Berichte bestätigen es, daß das Niveau des Schulwesens in Erez Israel nicht hoch steht. Aber man muß eines betonen. Es herrscht eine gewisse Anarchie in dem Schulwesen, es sind verschiedene Methoden durcheinandergemischt, es fehlen die Bücher, entsprechend gebildete Lehrkräfte, das ganze Schulwesen ist auf Lehrkräfte angewiesen, die sich selbst melden und die oft zu wenig reif für den Beruf im Hinblick auf die nationale Aufgabe sind. Deshalb ist es die Aufgabe der Leitung: 1. die Kräfte zu stärken, welche dort sind, und sie nicht zu schwächen, 2. die besten Kräfte des Galuth in Erez Israel zu konzentrieren, damit dort ein ideales Schulwesen aufblühe, 3. muß man noch eines betonen. Es ist eine Tatsache, daß das Schulwesen die notwendigen Bedürfnisse der Bevölkerung des Landes zu wenig in Betracht zieht. Es fehlt an Gewerbeschulen, an landwirtschaftlichen Schulen, an verschiedenen Fachschulen und auch an Lehrerseminaren. Was dort ist, ist alles zu wenig, und man muß daher das Schulwesen in dieser Richtung ausgestalten. Noch auf etwas möchte ich aufmerksam machen. Man spricht von der Hebraisierung. Darüber ist nicht nur im Galuth, sondern auch in Erez 31 481

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.